Metrik  ->  Verskonstituenten  -> Silbenprominenz
Silbe Silbenprominenz Pause Lautliche Übereinstimmung

Beispiel 1

-> Silbenprominenz: Eine der vier
 Verskonstituenten
 Sprachliche Einheiten bzw. Größen, die für den Bau von Versen relevant sind.
Verskonstituenten
. Für Verse bedeutsame Differenzierung der Silben in prominente (schwere) und nicht-prominente (leichte).

In der deutschen Dichtung beruht die Silbenprominenz auf der relativen Akzentstärke; in anderen Sprachen sind dagegen die Silbenlänge (z.B. Altgriechisch, Latein), der Tonverlauf (z.B. Chinesisch) oder die Tonhöhe (z.B. nigerianisches Efik) ausschlaggebend (vgl.
Jakobson 2007a
Linguistik und Poetik., übs. v. Stephan Packard, komm. v. Hendrik Birus. In: Roman Jakobson: Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie. Sämtliche Gedichtanalysen. Kommentierte deutsche Ausgabe, hg. v. Hendrik Birus u. Sebastian Donat, 2 Bde., Berlin u. New York: Walter de Gruyter, Bd. 1, S. 155-216.
Jakobson 2007a
, S. 174-176). Für die Bestimmung prominenter (bzw. schwerer) Silben im Deutschen hat Christian Wagenknecht folgende Regel formuliert (
Wagenknecht 1993
Deutsche Metrik. Eine historische Einführung. 3. Auflage. München: C. H. Beck.
Wagenknecht 1993
, S. 31):
Im prosodischen Sinne schwer ist eine Silbe dann, wenn sie schwerer, und leicht, wenn sie leichter ist als im Schnitt die Silben ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.
Daraus ergibt sich folgender Algorithmus: Man addiert die Schweregrade der zwei benachbarten Silben, teilt die Summe durch 2 und vergleicht sie mit dem Schweregrad der interessierenden Silbe
Für die Bestimmung des Schweregrades der einzelnen Silben ist es sinnvoll, zunächst vom Wortakzent auszugehen und in einem zweiten Schritt übergreifende Akzente (z.B. syntaktische, kontrastive oder emphatische Akzente) zu berücksichtigen. Ausgehend von Christian Wagenknechts Vorschlag (
Wagenknecht 1993
Deutsche Metrik. Eine historische Einführung. 3. Auflage. München: C. H. Beck.
Wagenknecht 1993
, S. 31f.) bietet sich die folgende Faustregel für die Ermittlung des Wortakzents an (
Donat 2006
Deskriptive Metrik, München (Masch.).
Donat 2006
, S. 12-14):
  • Schweregrad 4:
    a) Tonsilben von Substantiven, Adjektiven (einschließlich der Kardinalzahlen und der anderen Zahladjektive) und Vollverben
    b) Tonsilben trennbarer Verbpartikeln (z.B. ab-, herunter-, fest-, stand-)
    c) Tonsilben von demonstrativen Artikelwörtern und Pronomen (der, die, das; dieser; jener; derjenige; derselbe)
    d) Tonsilben bestimmter Adverbien: absolute und phorisch-deiktische Situierungsadverbien (z.B. temporal: „Sie sprang gestern ins Wasser"), Textadverbien (z.B. erstens, einerseits), Konjunktionaladverbien (z.B. „Draußen regnet es in Strömen. Sie hat trotzdem das Fahrrad mitgenommen."), Kommentaradverbien (z.B. „Leider konnten wir nicht kommen."), allein, selbst, selber als nachgestellte Attribute (z.B. „Peter selbst wird das regeln.")
    e) Tonsilben bestimmter Partikeln: Antwortpartikeln (z.B. „Keiner verläßt den Raum! Ich schon."); Interjektionen (z.B. „Pfui, ist das ein schlechtes Wetter!"); die Abtönungspartikeln bloß und ja in Aufforderungssätzen (z.B. „Fahr bloß/ja nach Hause!")
  • Schweregrad 3:
    a) nebentonige Silben in substantivischen und adjektivischen Komposita, in Präfix- und Partikelverben (z.B. ùnterstéllen – Präfixverb vs. únterstèllen – Partikelverb) sowie in adverbialen Komposita (z.B. vórgèstern) und Derivaten (z.B. éhemàls)
    b) Tonsilben von Hilfs , Funktions , Kopula und Modalverben
    c) Tonsilben in Interrogativadverbien (z.B. „Wann fährt der Bus?")
    d) Tonsilben in bestimmten mehrsilbigen Adverbien (außer den unter Schweregrad 4d genannten)
    e) Tonsilben in interrogativen Artikelwörtern und Pronomen
    f) Tonsilben von sonstigen mehrsilbigen Artikelwörtern und Pronomen (außer den unter Schweregrad 4c genannten), Präpositionen und Konjunktionen
  • Schweregrad 2:
    a) bestimmte einsilbige Adverbien (außer den unter Schweregrad 4d und 3c genannten)
    b) bestimmte einsilbige Funktionswörter: Artikelwörter und Pronomen (außer den unter Schweregrad 4c und 3e genannten), Präpositionen und Konjunktionen
    c) gewisse Prä- und Suffixe, wie -miß, -keit sowie -bar, -haft, -heit, -ig, -isch, -lich, -ling, -nis, -sal, -sam, -schaft, -tum
  • Schweregrad 1: - die noch nicht bestimmten Silben (d.h. weder Haupt noch Nebentonsilben) in Mehrsilblern, v.a. die Schwa-Silben
© Sebastian Donat
Letzte Änderung am: 21.10.2007
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