Textbeispiel An einem der letzten Maitage, das Wetter war schon sommerlich, bog ein zurückgeschlagener Landauer vom Spittelmarkt her in die Kur- und dann in die Adlerstraße ein und hielt gleich danach vor einem, trotz seiner Front von nur fünf Fenstern, ziemlich ansehnlichen, im übrigen aber altmodischen Hause, dem ein neuer, gelbbrauner Ölfarbenanstrich wohl etwas mehr Sauberkeit, aber keine Spur von gesteigerter Schönheit gegeben hatte, beinahe das Gegenteil. Im Fond des Wagens saßen zwei Damen mit einem Bologneserhündchen, das sich der hell- und warmscheinenden Sonne zu freuen schien. Die links sitzende Dame von etwa dreißig, augenscheinlich eine Erzieherin oder Gesellschafterin, öffnete, von ihrem Platz aus, zunächst den Wagenschlag und war dann der anderen, mit Geschmack und Sorglichkeit gekleideten und trotz ihrer hohen Fünfzig noch sehr gut aussehenden Dame beim Aussteigen behülflich.
Theodor Fontane: Jenny Treibel (Beginn)


Erläuterung Natürlich spricht und erzählt auch in dieser Eingangspassage zu Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel ein Erzähler mit seinen Worten. Dennoch präsentiert er das Erzählte hier fast völlig ohne eigene Beteiligung als Erzähler und zieht sich statt dessen vollständig auf eine (scheinbare) Beobachterrolle zurück. Dabei gibt er detailreich wieder, was ein anwesender Beobachter dieser kleinen Szene sehen würde. Insofern kann hier von einer dramatischen Präsentation der Ereignisse gesprochen werden.