Textbeispiel In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetztes Rondell warf.
Theodor Fontane: Effi Briest


Erläuterung Der Anfang von Effi Briest schildert das Gebäude aus der Vogelperspektive: erst wird die Vorderseite beschrieben, dann die Rückseite. Keine Figur hat eine Position inne, die einen solchen Überblick zulässt. Es handelt sich hier also um eine
Nullfokalisierung
Diese Fokalisierungsform wird auch als ‚auktorial’ bezeichnet. Die Wahrnehmung ist an keine Figur gebunden. Der Erzähler weiß hier mehr als die Figur. Typische Anzeichen für Nullfokalisierung sind Informationen im Text, die das Wissen der anwesenden Figuren übersteigen bzw. das Fehlen von Figuren.
Nullfokalisierung
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In der folgenden Passage geht es weniger um spezifische konkrete Dinge, die wahrgenommen werden, sondern um Verhaltensweisen, die auch nur summarisch beschrieben werden. Auch sie lassen sich keiner Figur zuordnen:


Textbeispiel Nur selten wurde Eckbert von Gästen besucht, und wenn es auch geschah, so wurde ihretwegen fast nichts in dem gewöhnlichen Gange des Lebens geändert, die Mäßigkeit wohnte dort, und die Sparsamkeit selbst schien alles anzuordnen. Eckbert war alsdann heiter und aufgeräumt, nur wenn er allein war, bemerkte man an ihm eine gewisse Verschlossenheit, eine stille zurückhaltende Melancholie.
Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert


Erläuterung Die „stille zurückhaltende Melancholie“, von der im letzten Satz die Rede ist, wird ganz ausdrücklich von keiner Figur der erzählten Welt wahrgenommen, da sie ja nur sichtbar wird, wenn Eckbert alleine ist.