Erläuterung Metaphern sind weiter verbreitet im Alltagsgebrauch, als man denkt: Man beschimpft „Rabeneltern“, „drischt leeres Stroh“, stößt auf eine „Mauer des Schweigens“ oder „reitet auf einer Welle des Erfolgs“, weil man eine „Kaderschmiede“ besucht hat oder „das Recht mit Füßen tritt“ – vielleicht ist es aber auch nur eine „Eintagsfliege“.
Poetische Metaphern zeichnen sich nun für gewöhnlich dadurch aus, dass sie nicht auf eine bekannte, etablierte und allgemein anerkannte Ähnlichkeitsbeziehung zurückgreifen, sondern eine neuartige, noch nicht bekannte und wohl auch kaum voll erfassbare Ähnlichkeitsbeziehung oder Analogie herstellen. Darin besteht wohl der ‚Witz’ von Metaphern.
Poetisch in diesem Sinne ist sicherlich die folgende Kork-Metapher:


Textbeispiel Ich und Mich sind immer zu eifrig im Gespräche: wie wäre es auszuhalten, wenn es nicht einen Freund gäbe? Immer ist für den Einsiedler der Freund der Dritte: der Dritte ist der Kork, der verhindert, dass das Gespräch der Zweie in die Tiefe sinkt.
Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra


Erläuterung An der Grenze zur Allegorie ist die folgende Metapher, weil sie mindestens zwei Komponenten korreliert. Ob sie darüber hinaus als
Ironie
Trope: Ersetzung des eigentlichen Ausdrucks durch dessen Gegenteil oder Negation
Ironie
anzusehen ist, wäre außerdem zu fragen:


Textbeispiel Ich habe mir das Salzbergwerk des Wissens durch Lesen so ausgehölt, daß nur noch einige Säulen stehen.
Jean Paul: Nachlass


Erläuterung Diese beiden Metaphern sind aber wohl noch ‚auflösbar’, d. h. einer relativ eindeutigen Deutung zuzuführen. Das ist nicht mehr (uneingeschränkt) möglich bei ‚kühnen’ und ‚absoluten’ Metaphern wie diesen:


Erläuterung
 
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
Georg Trakl : De profundis



Textbeispiel Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Georg Heym: Krieg I


Textbeispiel Schwarze Milche der Frühe
Paul Celan: Todesfuge