Offene Form Geschlossene Form

-> Geschlossene Form: Im idealtypischen Drama der geschlossenen Form sollten die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung eingehalten werden, der Aufbau nach dem symmetrischen Schema Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, Verzögerung, Katastrophe gestaltet sein und den strengen Regeln der Personenverteilung gehorchen sowie die
 Ständeklausel
 Zuordnung von Figuren bestimmter Stände auf Dramentypen, legitimiert durch die Verknüpfung von dargestellter Thematik und entsprechendem Sprachniveau.
Ständeklausel
eingehalten werden und damit der hohe Redestil etabliert sein. Außerdem sollte die Fabel auf transparente Weise ein ideelles Problem darstellen.

Das Drama der geschlossenen Form beginnt mit einer klar exponierenden Ausgangssituation, welche auf einem abgeschlossenen und überschaubaren Satz an Fakten beruht und endet nicht nur mit einem endgültigen, sondern auch mit einem eindeutigen Ende. Die Fabel entspricht somit der aristotelischen Forderung nach Ganzheit. Die Forderung nach Einheit wird durch eine eindeutig dominierende Haupthandlung gewährleistet. Sämtliche Nebenhandlungen sind für die Haupthandlung funktionalisiert und ihr somit untergeordnet. Diese Form des Dramenaufbaus begünstigt also einen zielstrebigen und linearen Handlungsablauf. Einzelnen Details kommt gerade soviel Bedeutung zu, wie zum Handlungsfortschritt notwendig ist. Jedes Teil ist unersetzbar, da alles nicht Unentbehrliche eliminiert ist.
Zahlenmäßig geringes Personal garantiert übersichtliche Konstellationen und die Konzentration auf die Haupthandlung. Zudem sollten bei den einzelnen Auf- und Abtritten die strengen Regeln beachtet werden, so dass die Bühne während eines Aktes nie leer bleibt. Wenige Ortswechsel und kaum Zeitsprünge konzentrieren die Aufmerksamkeit wiederum auf die eine, zentrale Haupthandlung, zudem dienen sie dem Wahrscheinlichkeitspostulat.
Die Vorstellungen der geschlossenen Form des Dramas werden vom französischen Klassizismus (v.a. Racine) nach Deutschland übernommen. Zwar liegt sie den normativen Poetiken des 18. Jahrhunderts zu Grunde, doch manifestiert sie sich erst mit Freytags Dramenmodell im 19. Jahrhundert, noch immer ohne dabei den Begriff aufzugreifen. Dieser taucht erst 1915 bei Wölfflin auf und wird von Volker Klotz 1960 für die Literaturwissenschaft endgültig geprägt. Dass die Idealform nur in wenigen Dramen wirklich realisiert zu finden ist, wurde von Kritikern immer wieder herausgestellt.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 09.09.2007
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