Motivierung Kausalität

-> Motivierung: Die sichtbaren und unsichtbaren, psychologischen oder gesellschaftlichen, formalen und strukturalen Gründe für das Handeln einer Figur und die Entwicklung der Dramenhandlung.

Die Motivierung einer Dramenhandlung vollzieht sich auf zwei Ebenen. Einerseits sollte aus den gezeigten Umständen und den
 Dialog
 Wechselrede der Figuren, das Gespräch im Drama.
Dialogen
die psychologischen und realistischen Gründe für das Vorgehen einer Figur klar werden. Darunter fallen Emotionen wie Angst oder Liebe, gesellschaftliche Zwänge oder Gesetze, die Position im Machtgefüge oder auch Zufälle und Unfälle.
Im 18. Jahrhundert gerät die Motivation von Figuren in den Blickpunkt der Theoretiker. Es geht ihnen weder darum, Zufälle, Unfälle und unvorhergesehene Folgen einer Handlung gänzlich zu eliminieren, noch fordern sie einen generellen Realismus auf der Bühne, doch geht es ihnen um die Stimmigkeit von Aktion und Reaktion, Tat und Auswirkung. Außerdem geraten die Figuren in den Fokus der Debatte um Motivierung, da man starkes Interesse an der Psychologie (Erfahrungsseelenkunde) gefunden hat. Die Forderungen an den Dramendichter werden also insofern strenger, als die verschiedenen Aktionen von Figuren nicht nur dem Plot des Stückes entsprechen, sondern auch eine gewisse realistische, der Figur und ihren Umständen angepasste psychologische Motivierung sichtbar machen sollen. Während die Figuren Gellerts oder Lessings dabei noch in vorbildhafter Weise gestaltet sind, entwickeln die jungen Autoren des Sturm und Drang ein Interesse an psychologischen Extremsituationen.
Je nach dem erstrebten Grad an Realität bzw. bedingt durch die entsprechenden literarischen Konzepte werden Figuren entweder ganz auf äußerliche Determination reduziert (Naturalismus), oder auch als unberechenbar oder gänzlich unverständlich gezeigt.
Die zweite Ebene der Motivierung bezieht sich auf die Konzeption und Anlage des Stückes durch den Autor.
 Szene
 Den Akt unterteilende Gliederungseinheit des Dramas, die das Geschehen zwischen zwei Schauplatzwechseln bezeichnet.
Szenen
, Requisiten oder ‚Zufälle’ sollten zur Bedeutung des Stückes beitragen und so motiviert sein. Gemäß der alten Forderung, nur das auf der Bühne zu zeigen, was Konsequenzen für die zentrale Handlung hat, muss der Autor legitimieren, was er zeigen möchte und möglichst aus der Handlung heraus deren Dasein plausibilisieren. So kann im Sinne der Motivierung ein Schwert von einer bloßen Dekoration zu einer Mordwaffe werden, sollte aber nur dann Erwähnung finden, wenn es wirklich eine Funktion in der Handlung trägt. Diese Ebene lässt sich auch auf die Regie ausdehnen, da es ein Konzept sein kann, nur das sichtbar zu machen und darzustellen, was wirklich in der und für die Handlung eine Rolle spielt – wobei auch die Veränderung und Umgestaltung interessant scheinen kann, da so auf eine Differenz zwischen Sprache und Tun hingewiesen wird. Ob und in wieweit dichterische Kompositionen, Verweisstrukturen und Motivzusammenhänge gestört werden, ist im Einzelfall zu beobachten.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 09.09.2007
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