Glossar


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Up Erzähltextanalyse

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Up Anachronie: Umstellungen in der chronologischen Ordnung im Discours gegenüber der Histoire. Entweder Prolepsen (Vorgriffe) oder Analepsen (Rückblenden)

Up Analepse: Ein Ereignis, das sich in der Geschichte früher ereignet hat, wird im Discours an späterer Stelle dargestellt. (B A C) Im Gegensatz zu Prolepsen sind Analepsen ein häufig angewendetes Erzählverfahren.

Up Aufbauende Rückwendung: Auch als der Einstieg ‚in medias res’ bezeichnet. Komplexe Form des Erzählens wie wir sie schon seit Homer kennen. Typisch ist sie z.B. für die Kriminalgeschichte, die mit einem rätselhaften Ereignis beginnt und deren Handlung in der Rekonstruktion der Vorgeschichte besteht.

Up Autodiegetisches Erzählen: Liegt vor, wenn der Erzähler Teil der erzählten Welt und zugleich deren Hauptfigur ist.

Up Autonome direkte Rede: Wie direkte Rede, aber ohne verba dicendi, evtl. sogar ohne Anführungszeichen.

Up Autor, realer: Historische oder gegenwärtige Person, die den Text verfasst hat

Up Bewusstseinsbericht: Bewusstseinsprozesse werden durch den Erzähler vermittelt und dabei zusammengefasst. Der Erzähler weicht erkennbar von den Gedanken oder Bewusstseinsinhalten einer Figur, die diese in der erzählten Welt (vermeintlich) denkt oder hat, ab - indem er sie weglässt, zusammenfasst oder anderweitig verändert.

Up Bewusstseinsstrom (stream of consciousness): Radikalisierung des Inneren Monologs: Es werden nicht mehr nur die Bewusstseinsinhalte direkt und unmittelbar wiedergegeben, sondern auch noch deren (vermeintlich) assoziative, ungesteuerte und völlig freie Struktur im discours sprachlich nachgebildet.

Up Charakterisierung: Prozess der Bindung stabiler figurenbezogener Tatsachen an eine Figur.

Up Closure: Konfliktlösung am Ende der Geschichte

Up Contextual Frames: Begriff von Catherine Emmott (Catherine Emmott 1997, S. 132). Bezeichnet eine Sinnstruktur, die durch eine örtliche (wer und was ist an diesem Ort anwesend?), eine zeitliche und durch eine relativ freie episodische Komponente (was ist an dem Ort geschehen) gebildet wird. Dieses Geschehen kann wiederum durch typische Handlungsabläufe (scripts), z.B. Restaurantbesuch, und zusammengehörige Informationssets (frames), z.B. Wirtshaus, organisiert sein, und in nicht-situativem Text wird u.a. Information solcher Art präsentiert.

Up Dehnung: Der Discours dauert länger als das Geschehen brauchte, um sich zu ereignen. Im Film entspricht dem dehnenden Erzählen die Zeitlupe.

Up Direkte Rede (oratio recta): Erzählerische Redewiedergabe in der 1. bzw. 2. Person Präsens Indikativ (als Basistempus), ohne Innensicht und kommentierende Einmischung, in vollständiger oder bei Bedarf beliebig unvollständiger Syntax. Eingeleitet mit einem verbum dicendi.

Up Discours: Präsentation der erzählten Geschichte im Gegensatz zur Histoire (Handlung und erzählte Welt).

Up Distanz: Grad an Mittelbarkeit. Distanz ist eine Skala, an deren einem Ende die szenische Darstellung mit wörtlicher Rede (dramatischer Modus) und an deren anderem die vollständige Vermittlung der Geschichte durch einen in jeder Hinsicht präsenten Erzähler (narrativer Modus) liegt.

Up Eingeschobenes Erzählen: Das erzählte Geschehen ist zum Zeitpunkt des Erzählens noch nicht abgeschlossen, sodass sich Momente gleichzeitigen und späteren Erzählens gegenseitig durchdringen und durchmischen.

Up Ellipse: Wenn eine bestimmte Zeitspanne der Geschichte im Discours gänzlich ausgespart wird, so kann man von einer Ellipse oder einem Zeitsprung sprechen. Ein solcher Zeitsprung kann in der Erzählung markiert und explizit oder unmarkiert und implizit vorliegen.

Up Episches Präteritum: Mit dem Begriff von Käte Hamburger wird ein Präteritum bezeichnet, mit dem aber weniger die Vorzeitigkeit des Erzählten als vielmehr seine Zeitlosigkeit betont werden soll. Es liegt vor, wenn ein späterer Zeitpunkt des Erzählens kaum bestimmbar oder irrelevant ist.

Up Ereignis: Elementare Einheit eines narrativen Textes.

Up Erlebte Gedankenrede: Erzählerische Gedankenwiedergabe in der 3. Person Präteritum oder Plusquamperfekt Indikativ, mit Innensicht und der Möglichkeit kommentierender Einmischung, aber ohne ‚verba dicendi et sentiendi’, in vollständiger Syntax (Ausnahme: Interjektionen) und mit unbeschränkter Interpunktion, jedoch ohne Anführungszeichen.

Up Erlebte Rede: Erzählerische Redewiedergabe in der 3. Person Präteritum oder Plusquamperfekt Indikativ, mit Innensicht und der Möglichkeit kommentierender Einmischung, aber ohne ‚verba dicendi et sentiendi’, in vollständiger Syntax (Ausnahme: Interjektionen) und mit unbeschränkter Interpunktion, jedoch ohne Anführungszeichen.

Up Erwähnung des sprachlichen Akts: Nur das Stattfinden eines sprachlichen Akts wird vom Erzähler berichtet. Der Inhalt wird dabei nicht genauer spezifiziert.

Up Erzähler: ‚Stimme' im Text oder ‚Sprecher' eines Textes. Kann im Gegensatz zur Alltagskommunikation nicht unhinterfragt mit dem realen Autor gleichgesetzt werden. Kann als Figur realisiert werden oder nur als Stimme.

Up Erzähltempo: Verhältnis der Dauer von Ereignissen der Geschichte und ihrer Darstellung im Discours.

Up Erzählte Rede: Dieser Modus liegt vor, wenn die Worte einer Figur erkennbar von einem Erzähler, also mittelbar wiedergegeben werden.

Up Erzählte Welt: Alle Figuren und Objekte sowie Räume und Handlungen, von denen der Text spricht. Diese Welt kann entsprechend den Regeln unsrer Alltagswelt gestaltet oder weitgehend erfunden sein.

Up Erzählzeit und Erzählte Zeit: Die Geschichte, die erzählt wird, besteht aus einer bestimmten Folge von Ereignissen, die einmal oder mehrfach stattgefunden haben und eine bestimmte Zeit gedauert haben. Im Discours kann die Darstellung dieser Geschichte in allen drei Punkten abweichen. Wir unterscheiden deshalb zwischen:

Up extern / intern: Zugehörigkeit einer Analepse oder Prolepse zur erzählten Geschichte.

Up Externe Fokalisierung: Die Wahrnehmung ist nicht an eine Figur der erzählten Welt gebunden, geht aber von einem Punkt innerhalb der erzählten Welt aus. Informationen über das „Innenleben“ von Figuren werden nicht gegeben. Der Erzähler weiß weniger / nimmt weniger wahr als die Figuren.

Up Figur: Mentales Modell eines Menschen oder einer menschenähnlichen Gestalt in einer erzählten Welt. Wird vom Leser aufgebaut, indem er Informationen aus dem Discours um Weltwissen ergänzt.

Up Figurale Schemata: Figuren- oder personenbezogenen Regelmäßigkeitsannahmen.

Up Figuren: Die Kommunikation der Figuren untereinander bildet eine eigene Ebene. Bei der Analyse ist zu beachten, dass man die Aussagen einer Figur, auch wenn sie im Text sehr privilegiert ist, nicht als Meinung des Autors interpretieren sollte. Man hat es mit vermittelter Kommunikation zu tun: Der Autor lässt einen Erzähler erzählen, was die Figuren sagen. Der Figur ist in dieser Einführung ein eigenes Kapitel gewidmet.

Up Figurenbezogene Tatsachen: Tatsachen der erzählten Welt in Bezug auf Figuren, die aus folgenden Quellen gespeist sind: Figureninformationen, Schlussfolgerungen ausgehend von Figureninformationen und Schlussfolgerungen ausgehend von Informationen, die in der Darstellung nicht der Figur zugeschrieben worden sind, aber zu ihr in Beziehung gesetzt sind.

Up Figureninformationen: Informationen über die Figur aus dem Discours. Angaben zum Äußeren, zu mentalen und charakterlichen Eigenschaften, sprachliche Äußerungen der Figur und die Inhalte dieser Äußerungen und Handlungen.

Up Figurenmodell: Gestaltförmige Konfigurationen von Figureninformationen, z.B. der Melancholiker oder die Extrovertierte.

Up Finale Motivierung: Sinnstruktur in der erzählten Welt: Teleologische Verknüpfung von Ereignissen

Up Fixierte interne Fokalisierung: Die Wahrnehmung bleibt während des ganzen Textes an eine Figur gebunden.

Up Fokalisierung: Die Instanz, die das Erzählte wahrnimmt, also sieht, hört, riecht, schmeckt, spürt, fühlt, denkt.

Up Früheres Erzählen: Ereignisse werden erzählt, bevor sie sich in der erzählten Welt ereignen. Der Zeitpunkt des Erzählens liegt also vor dem des Erzählten. Markiert wird das durch das Futur.

Up Gedankenzitat: Erzählerische Gedankenwiedergabe in der 1. bzw. 2. Person Präsens Indikativ. Eingeleitet mit einem verbum sentiendi. Gedanken werden hier also - analog zur direkten Figurenrede - als solche markiert.

Up Geschehen: Ereignisse, die chronologisch aufeinander folgen.

Up Geschichte: Ereignisfolge, die chronologischen und kausalen Zusammenhang aufweist.

Up Gleichzeitiges Erzählen: Der Zeitpunkt des Erzählens fällt erkennbar und weitgehend mit dem des Erzählten zusammen.

Up Handlung: Gesamtheit dessen, was erzählt wird. Umfasst die Elemente Ereignis, Geschehen, Geschichte.

Up Handlungsgrammatiken: Annahme einer narrativen Tiefenstruktur, die unter der erzählten Oberfläche zu Grunde liegt. Solche Tiefenstrukturen können mythologische Erzählungen sein (Claude Levi-Strauss), aber auch Handlungsträger und Handlungsfunktionen (Propp), Aktanten (Greimas) oder Pole und Plots.

Up Heterodiegetisches Erzählen: Der Erzähler ist nicht Teil der von ihm erzählten Welt.

Up Histoire: Die Geschichte mit der Darstellung in ihrem chronologischen und kausalen Zusammenhang. Gegenbegriff: 'Discours' (Reihenfolge und Art der Vermittlung der Geschichte durch den Text)

Up Historisches Präsens: Verwendung des Präsens nicht als Tempus der Darstellung von Gegenwart bzw. von zeitlosen Sachverhalten, sondern als Erzähltempus – sei es als Wirklichkeitsbericht über vergangenes Geschehen, sei es als Ersatz eines ‚Epischen Präteritums’ zur Vermittlung fiktionalen Geschehens.

Up Homodiegetisches Erzählen: Liegt vor, wenn der Erzähler Teil der erzählten Welt ist, also selbst in seiner Geschichte vorkommt. Ich-Erzählung, die erste Person lässt sich dabei in ein erzählendes und ein erzähltes bzw. erlebendes Ich aufspalten.

Up Impliziter Autor: Konstrukt, das der Leser aus den Textelementen gewinnt; unterscheidet sich vom realen Autor und vom Erzähler, weil der implizite Autor immer nur eine Vorstellung bleibt, die sich niemals ganz mit dem realen Autor und dessen Absichten deckt.

Up Indirekte Gedankenrede: Erzählerische Gedankenwiedergabe in der 3. Person Präsens Konjunktiv (bei Ich-Erzählung: in der 1. Person für das erlebende Ich), mit der Möglichkeit kommentierender Einmischung, in vollständiger Syntax ohne Anführungs-, Ausrufe- und Fragezeichen.

Up Indirekte Rede (oratio obliqua): Erzählerische Redewiedergabe in der 3. Person Präsens Konjunktiv (bei Ich-Erzählung: in der 1. Person für das erlebende Ich), ohne Innensicht, mit der Möglichkeit kommentierender Einmischung, in vollständiger Syntax ohne Anführungs-, Ausrufe- und Fragezeichen.

Up Innerer Monolog: Erzählerische Gedankenwiedergabe in der 1. bzw. 2. Person Präsens Indikativ. Ohne Einleitung durch verba dicendi, evtl. sogar ohne Anführungszeichen.

Up Interne Fokalisierung: Die Wahrnehmung ist an eine Figur gebunden. Informationen über das „Innenleben“ der Figur werden gegeben. Der Erzähler weiß also ebenso viel / nimmt ebenso viel wahr wie die Figur.

Up Iteratives Erzählen: Beim iterativen Erzählen wird nur einmal erzählt, was sich wiederholt ereignet.

Up Kausale Motivierung: Sinnstruktur in der erzählten Welt: Kausale Verknüpfung von Ereignissen

Up komplett / partiell: Anschluss an das Erzählte. Sind Reichweite und Umfang identisch, spricht man von einer kompletten Analepse, ansonsten von einer partiellen. Im Blonden Eckbert erzählt Bertha z.B. als Einschub ihre Lebensgeschichte vom Zeitpunkt ihrer Geburt bis zu der Zeit, zu der die Handlung spielt.

Up Leser, realer: Person oder Personengruppe, die den Text liest oder hört. Entweder historisch oder gegenwärtig.

Up Masterplot: Dominante Organisationsstruktur einer Handlung

Up mise en abyme: Sonderfall der Metalepse, in der der Anfang der Erzählung auf der intradiegetischen Ebene zu finden ist. Die erzählte Welt enthält also den Akt ihrer Erzeugung, enthält sich sozusagen selbst.

Up Modell-Leser: Textbasiertes, anthropomorphes Konstrukt, das gekennzeichnet ist durch die Kenntnis aller einschlägigen Codes und auch über alle notwendigen Kompetenzen verfügt, um die vom Text erforderten Operationen erfolgreich durchzuführen. Der Modell-Leser hat außerdem ein Gedächtnis, um das textspezifische Wissen aufbauen zu können, sowie die Fähigkeit, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Up Modus: Grad an Mittelbarkeit und Perspektivierung des Erzählten. Aspekt des Discours neben Zeit und Stimme.

Up Modus einer figurenbezogenen Tatsache: Eigenschaft einer figurenbezogenen Tatsache, die ihren Status in der narrativen Welt betrifft: faktisch, kontrafaktisch, konditional oder rein subjektiv (existiert die Tatsache nur in der Überzeugung, im Wunschdenken oder in der Vorstellung einer anderen Figur oder des Erzählers?).

Up Motivierung: Sinnstruktur des Geschehens

Up Multiple interne Fokalisierung: Fokalisierungsform bei der das gleiche Geschehen wiederholt dargestellt wird und zwar jeweils aus der Perspektive einer anderen Figur.

Up Narrative Metalepse: ‚Kurzschluss‘ zwischen den verschiedenen Ebenen der Erzählung, z.B. wenn die Figuren von ihrem Autor bzw. um ihre Fiktionalität wissen.

Up Nullfokalisierung: Diese Fokalisierungsform wird auch als ‚auktorial’ bezeichnet. Die Wahrnehmung ist an keine Figur gebunden. Der Erzähler weiß hier mehr als die Figur. Typische Anzeichen für Nullfokalisierung sind Informationen im Text, die das Wissen der anwesenden Figuren übersteigen bzw. das Fehlen von Figuren.

Up Pause: Während eines beliebig langen Erzählabschnitts des Discours, geht die Handlung nicht weiter, auch als ‚deskriptive Pause’ bezeichnet, weil hier oft Figuren oder Örtlichkeiten beschrieben werden.

Up Primäres Erzählen: Erzähler der Geschichte bzw. der Rahmengeschichte, wenn es eine Binnengeschichte gibt.

Up Prolepse: Ein Ereignis, das sich in der Geschichte erst noch ereignen wird, wird im Discours an früherer Stelle erzählt (A C B).

Up Raffung / summary: Zeitraffendes Erzählen liegt insbesondere dann vor, wenn summarisch erzählt wird. Das heißt, dass nicht alle Details, nicht alle Ereignisse oder nicht alle Wiederholungen ähnlicher Ereignisse jeweils einzeln dargestellt werden.

Up Redebericht: Ein sprachlicher Akt wird vom Erzähler berichtet und dessen Inhalt allgemein wiedergegeben.

Up Reichweite: Zeitlicher Abstand zwischen Erzählgegenwart und Zeitpunkt der Anachronie.

Up Repetitives Erzählen: Beim repetitiven Erzählen wird ein Ereignis wiederholt erzählt, das einmal geschehen ist (n-mal erzählen, was einmal geschehen ist).

Up Sekundäres Erzählen: Erzähler einer Binnengeschichte, der in der Rahmengeschichte als Figur auftritt.

Up Singulatives Erzählen: Beim singulativen Erzählen werden die Ereignisse der Geschichte genau so oft erzählt, wie sie geschehen. Sowohl die Fälle „einmal erzählen was einmal geschehen ist“ als auch „n-mal erzählen, was n-mal geschehen ist“ sind also hier gemeint. In beiden Fällen bleibt das Verhältnis zwischen Erzählung und Handlung gleich.

Up Situativer Text (framed text): Text der auf einen kontextuellen Rahmen bezogen ist, d.h. die Sätze sind auf Ereignisse bezogen, die zu einem spezifischen Zeitpunkt und an einem spezifischen Ort geschehen, und beschreiben nicht wiederholte oder verallgemeinerte Ereignisse.

Up Situative Schemata: Wissen über typisierte situative bzw. handlungsbezogene Konstellationen (z.B. Dreiecksbeziehungen)

Up Späteres Erzählen: Der Zeitpunkt des Erzählens liegt erkennbar nach dem des Erzählten. Diese Verteilung der Zeitverhältnisse zwischen dem Erzählen und dem Erzählten ist der Regelfall allen Erzählens. Er wird durch Verwendung des Präteritum markiert.

Up Stellung: Mit diesem Begriff ist die Stellung des Erzählers zum Geschehen gemeint: Ist der Erzähler Teil seiner Erzählung oder kommt er in dieser nicht vor und tritt ganz hinter sie zurück?

Up Stimme: Instanz, die den Text oder einen Teil des Textes erzählt.

Up Szene: Eine typische Ausprägung des zeitdeckenden Erzählens ist die Szene, in der die Dauer der Wiedergabe von Figurenrede weitgehend mit der der Rede selbst übereinstimmt.

Up Tertiäres Erzählen: Liegt vor, wenn Erzählen erzählt wird.

Up Textmontage: Verschieden Textstücke, die unterschiedlich fokalisiert sind und von unterschiedlichen Stimmen gesprochen werden, werden in einer Erzählung hintereinander gestellt.

Up Umfang: Dauer der Handlungssequenz, die als Anachronie eingeschoben wird.

Up Variable interne Fokalisierung: Die Fokalisierung wechselt chronologisch fortschreitend zwischen Figuren.

Up Zeitpunkt des Erzählens: Der Zeitpunkt des Erzählens liegt relativ zum erzählten Geschehen. Er kann später, gleichzeitig oder früher als das Erzählte liegen, er kann aber auch vage oder unbestimmbar sein.

Up Zuhörer/Leser: Der Zuhörer oder Leser kann im Text als Figur auftauchen oder nicht. Er ist der vom Erzähler angesprochene Agent, er befindet sich also auf derselben Ebene wie der Erzähler.

Up Zuverlässigkeit der Bindung einer figurenbezogenen Tatsache: Eigenschaft einer figurenbezogenen Tatsache: Zuverlässig ist eine Bindung, wenn die Quelle ihrer Zuschreibung zuverlässig ist.

 

Up Lyrik

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Up Metrik

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Up Akatalektisch: (Gr. ›nicht [vorher] aufhörend‹) Bezeichnung für Verse mit ungekürztem letztem Versfuß.

Up akcentnyj stich: (Russ. ›Akzentvers‹.) Untergruppe der Verse mit Füllungsfreiheit. Die Anzahl der nicht-prominenten zwischen den prominenten Silben variiert zwischen 0 und mehr als 3.

Up Alliteration: Lautliche Übereinstimmung der Anfänge von zwei oder mehr akzentuierten Silben.

Up Amphibrachys: (Griech. ›auf beiden Seiten kurz‹.) Dreisilbiger Versfuß der Form v – v.

Up Anapäst: (Griech. ›Zurückprallender‹.) Dreisilbiger Versfuß der Form v v –.

Up Assonanz (auch: Halbreim): Lautliche Übereinstimmung zweier oder mehrerer Wörter im Text, die nur die Vokale betrifft (üblicherweise ab der letzten betonten Silbe).

Up Auftakt/Anakrusis: Metrisch-rhythmische Gestaltung des Versanfangs (Versgrenzen ).

Up Choriambus: Viersilbiger Versfuß der Form - v v -.

Up Daktylus: (Griech. ›Finger‹, wohl mit Bezug auf die Dreigliedrigkeit.) Dreisilbiger Versfuß der Form – v v.

Up Diärese: Pause im Inneren der Verszeile, bei der Kolon- bzw. Wortgrenze einerseits und Versfußgrenze andererseits ( Versfüße ) zusammenfallen.

Up Dol'nik: (Von Russ. dolja - Teil.) Untergruppe der primär auf regelmäßiger Hebungszahl beruhenden Verse. Die Anzahl der nicht-prominenten zwischen den prominenten Silben variiert zwischen 1 und 2.

Up Einzelvortrag: konkrete sprachliche Präsentation eines Verstextes, in der sich der Sprecher möglicherweise an einem Vortragstyp orientiert, die aber dennoch eine individuelle Interpretation des Rhythmus der Einzelverse darstellt.

Up Endecasillabo: Ital. ›Elfsilbler‹.) Wichtigste Versform in der italienischen Dichtung. Vorgeschrieben ist die Silbenzahl (11silbig), das Vorhandensein von zwei starken Hebungen (›Haupttöne‹, einer davon fest auf der 10. Silbe, der zweite beweglich, und zwar meist auf der 4. oder 6. Silbe), eine Zäsur nach der beweglichen Hebung und Endreim am Versausgang.

Up Endreim: Lautliche Übereinstimmung zweier Wörter mindestens ab dem letzten betonten Vokal.

Up Gebundene vs. ungebundene Verse: primäre interne Differenzierung des Gegenstandsbereichs der Versifikation nach dem Umfang der rhythmischen Regelmäßigkeit.

Up Hebung: Durch das metrische Schema nach Anzahl und/oder Position festgelegte prominente Silbe im Vers (Silbenprominenz). – Hebungen können im konkreten Verstext und im Vortrag ‚realisiert’, d.h. sprachlich umgesetzt werden, dies ist aber keinesfalls zwingend (Rhythmus des konkreten Einzelverses; Einzelvortrag).

Up Hebungszahl: Horizontales Anordnungsprinzip, bei dem die Regulierung auf der identischen oder sich regelmäßig wiederholenden Anzahl der Hebungen pro Vers beruht.

Up Hyperkatalektisch: Hyperkatalektisch: (Gr. ›über die Grenze hinausgehend‹.) Bezeichnung für Verse, deren Ende (Kadenz) über den letzten Versfuß hinaus durch zusätzliche Senkungen bzw. nicht-prominente Silben verlängert wird.

Up Jambus: (Griech. ›Sprung‹.) Zweisilbiger Versfuß der Form v –.

Up Kadenz/Versausgang: Metrisch-rhythmische Gestaltung des Versendes ( Versgrenzen ).

Up Katalektisch: (Gr. ›aufhörend‹.) Bezeichnung für die Verkürzung eines Versfußes um eine oder zwei Senkungen. Katalexe tritt in erster Linie am Versende auf, aber auch vor metrisch festgelegten Pausen im Versinneren, z.B. im 3. Versfuß des Pentameters.

Up Lautliche Übereinstimmung: Lautliche Übereinstimmung: Eine der vier Verskonstituenten. Nach Anzahl und/oder Position regulierte Wiederholung von Phonemen oder Phonemgruppen im Verstext. Die Lautwiederholung betrifft in der Regel den Wortanfang (Alliteration/Stabreim) oder das Wortende (Assonanz, Endreim).

Up Metrische Notation: Konventionalisierte Form der schriftlichen Fixierung von Metrum und Rhythmus eines Textes.

Up Metrischer Typ: Systematisch beschreibbare Realisierungsform des abstrakten metrischen Schemas.

Up Metrisches Schema: Höchste Stufe der metrischen Abstraktion.

Up Metrische Typologie: Klassifikation zur möglichst einfachen und zugleich trennscharfen Beschreibung und Unterscheidung verschiedener Vers- und Gedichtformen.

Up Pause: Eine der vier Verskonstituenten . Position im Vers, an welcher der Artikulationsvorgang unterbrochen wird.

Up Prosodie: (Griech: ‚Dazugesungenes') Lautübergreifende sprachliche Phänomene, wie Akzent, Intonation, Pause. Unter der Perspektive der Metrik enthält die Prosodie die Regeln für das Material bzw. die Konstituenten des Versbaus (Verskonstituenten), insbesondere für die Bestimmung der Silbenprominenz und des Endreims.

Up Rhythmische Prosa: Fließtexte ohne bewusste Segmentierung und doppelte Gliederung (Vers), die auffällige, aber unregelmäßige Wiederholungsfiguren aufweisen (z.B. Alliterationen und Endreime, syntaktischen Parallelismus oder metrische Bausteine). Vgl. Zhirmunsky 1966 und Rehder 1978.

Up Rhythmus des konkreten Einzelverses: Rhythmus des konkreten Einzelverses: Jeder einzelne Text in gebundenen Versen basiert auf einem metrischen Schema . Seine konkrete rhythmische Gestalt ist damit jedoch niemals deckungsgleich: Einerseits werden häufig nicht alle im metrischen Schema vorgesehenen Wiederholungsstrukturen durch die sprachliche Realisierung des Einzelverses umgesetzt. Damit wird zunächst Monotonie (‚Klappern') vermieden; vor allem aber kann so eine Spannung zwischen Metrum und Rhythmus aufgebaut werden, mit deren Hilfe bestimmte Textteile hervorgehoben und für den Leser als wichtig markiert werden können. Andererseits können konkrete Verstexte aber auch zusätzliche, d.h. über die Vorgaben des metrischen Schemas hinausgehende Wiederholungsstrukturen aufweisen (z.B. regelmäßige Platzierung von Wortgrenzen, Alliterationen usw.).

Up Senkung: Durch das metrische Schema nach Anzahl und/oder Position festgelegte nicht-prominente Silbe im Vers (Silbenprominenz). – Senkungen können im konkreten Verstext und im Vortrag ‚realisiert’, d.h. sprachlich umgesetzt werden, dies ist aber keinesfalls zwingend (Rhythmus des konkreten Einzelverses; Einzelvortrag).

Up Silbe: Eine der vier Verskonstituenten. Kleinste lautübergreifende sprachliche Einheit.

Up Silbenprominenz: Eine der vier Verskonstituenten . Für Verse bedeutsame Differenzierung der Silben in prominente (schwere) und nicht-prominente (leichte).

Up Silbenzahl: Horizontales Anordnungsprinzip, bei dem die Regulierung auf der identischen oder sich regelmäßig wiederholenden Anzahl der Silben pro Vers beruht.

Up Spondeus: (Griech. ›zum Trankopfer gehörig‹) in der antiken Metrik rhythmische Variante von drei und zweisilbigen Versfüßen, bestehend aus zwei Längen: – –.

Up Strenger Knittelvers: Episch-dramatisches Metrum der deutschen Dichtung des 16. Jahrhunderts. Wie beim Freien Knittelvers sind die Verse durch Paarreim verbunden, zusätzlich besteht hier eine Regulierung der Silbenzahl auf 8 bei männlicher und 9 bei weiblicher Kadenz. (Wagenknecht 1993, S. 40f.)

Up Taktovik: Taktovik: Untergruppe der Verse mit Füllungsfreiheit. Die Anzahl der nicht-prominenten zwischen den prominenten Silben variiert zwischen 0 und 3.

Up Trochäus: (Griech. ›Läufer‹.) Zweisilbiger Versfuß der Form – v.

Up Vers: von lat. versus ‚Umwenden (des Pfluges), Furche, Reihe, Linie’. Verse sind kurze, klar voneinander abgegrenzte und untereinander korrespondierende Abschnitte, die den Text unabhängig von der Syntax gliedern und die optisch als Zeilen repräsentiert werden können.

Up Verse mit Füllungsfreiheit: Verse mit Füllungsfreiheit: Alternativbezeichnungen ›accentual verse‹, ›rein tonischer Vers‹ u.a. Flexibles Versmaß, bei dem die Hebungszahl festgelegt ist, die Anzahl der dazwischen liegenden nicht-prominenten Silben dagegen variiert.

Up Versfuß: Aus der antiken Metrik stammende interne Gliederungseinheit des Verses , bestehend aus einer geregelten Abfolge von Hebungenund Senkungen

Up Versgrenzen: Die Grenzen des Verses, d.h. Versanfang und Versende, sind optisch wie auch akustisch in der Wahrnehmung besonders herausgehoben.

Up Versifikation: Die Versifikation enthält die Regeln für die Anordnung der Verskonstituenten (Silbe, Silbenprominenz, Pausen und lautliche Übereinstimmungen) im Verstext, die ihrerseits nach bestimmten prosodischen Regeln definiert werden. Die grundlegenden Anordnungsprinzipien sind die Anzahl und die Position, und zwar horizontal (innerhalb der Zeile) und vertikal (in der Abfolge der Verse).

Up Verskonstituenten: Sprachliche Einheiten bzw. Größen, die für den Bau von Versen relevant sind.

Up Vortragstyp: Systematisch beschreibbarer und ggf. an Epochen oder ‚Schulen' gekoppelter Stil des rhythmischen Vortrags von Verstexten.

Up Zäsur: Syntaktisch bedingte Pause im Versinneren.

 

Up Drama

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Up Akt: Dominierende Gliederungseinheit im Drama, welche räumliche und inhaltliche Strukturierung gewährleistet. Der Akt lässt sich weiter untergliedern in Szenen oder Auftritte .

Up Antagonist: Gegenspieler des Protagonisten, als Kontrast gegen diesen konzipiert und ihm in der Figurenkonstellation gegenübergestellt.

Up Auftritt: Den Akt unterteilende Gliederungseinheit des Dramas, die das Geschehen zwischen zwei Personenwechseln bezeichnet.

Up Authentizitätspostulat: Forderung nach möglichst realer Gestaltung und Präsentation der Handlung, um die größtmögliche Realitätsillusion zu erzeugen.

Up Boten: Funktionsfiguren, die Nachrichten von weiter entfernt gedachten Orten zum Bühnengeschehen bringen.

Up Botenbericht: Fiktionsinterne sprachliche Darstellung eines zum Zeitpunkt der Präsentation vergangenen, für die Haupthandlung bedeutenden Ereignisses.

Up Chor: Eine Gruppe von Sprechern im Drama, die nur als Kollektiv spricht

Up Couplet: Pointiert-witziges Lied mit stets identisch wiederholtem Kehrreim.

Up Deus ex machina: Unvorbereiteter Auftritt eines Gottes im griechischen Drama, der oft mit Hilfe von speziellen Maschinen der Bühnentechnik inszeniert wurde und der eine Aporie der dramatischen Handlung lösen kann.

Up Dialog: Wechselrede der Figuren, das Gespräch im Drama.

Up Diener/Vertraute: Eine der Hauptfigur ständisch und dramaturgisch untergeordnete Figur, die für jene nicht nur Aufgaben erfüllt, sondern auch als Gesprächspartner fungiert, dem Gedanken, Gefühle und Motivationen anvertraut werden können.

Up Dramatische/tragische Ironie: Wissensvorsprung des Zuschauers vor der Dramenfigur.

Up Drei Einheiten: Unter den drei Einheiten versteht man die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung, die von klassizistischen Theoretikern in Berufung auf die aristotelische Poetik als Norm etabliert wurden.

Up Epilog: Der eigentlichen Dramenhandlung folgendes, deutlich abgegrenztes Nachwort, das eine zwischen Dramentext, Autor und Publikum vermittelnde Position einnehmen kann.

Up Exposition: Die Exposition vermittelt, idealtypisch am Anfang des Dramas, vor dem ersten situationsverändernden Handlungsmoment, das Wissen um die in der Vergangenheit liegenden und die Gegenwart bestimmenden Voraussetzungen und Gegebenheiten, auf denen die folgende konflikthafte Handlung beruht.

Up Fallhöhe: Kategorie der Dramentheorie, die besagt, dass der Fall eines Helden umso eindringlicher empfunden wird, je höher sein sozialer und moralischer Rang vorher war.

Up Figurenkonstellation: Verhältnis und Stellung aller Figuren eines Dramas zueinander wird als Figurenkonstellation beschrieben.

Up Figurenrede: Die von einer bestimmten Bühnenfigur gesprochenen Worte.

Up Fiktionsbrechung: Jegliche Aktion der Schauspieler und des Chores, die gegen die Ordnung der eingeführten Illusion gerichtet ist und so diese als solche entlarvt.

Up Fiktionsbrechung: Verlassen der eigentlichen Fiktionsebene, um die theatrale Kommunikationssituation und ihre konstituierenden Merkmale zu thematisieren.

Up Geschlossene Form: Im idealtypischen Drama der geschlossenen Form sollten die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung eingehalten werden, der Aufbau nach dem symmetrischen Schema Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, Verzögerung, Katastrophe gestaltet sein und den strengen Regeln der Personenverteilung gehorchen sowie die Ständeklausel eingehalten werden und damit der hohe Redestil etabliert sein. Außerdem sollte die Fabel auf transparente Weise ein ideelles Problem darstellen.

Up Hamartia: aristotelischer Begriff, Fehler des Helden, der zur dramatischen Verwicklung führt.

Up Hanswurst: Figur des Barocktheaters, vor allem bei Wanderbühnen beliebt. Der Hanswurst (oder Pickelhering) bringt ein komisches Element in die sonst tragische Handlung.

Up Hauptfiguren: Die zentralen Figuren des Dramas, um die sich die Haupthandlung dreht, bzw. die aktiv und selbständig agieren und die entsprechend die größten Textanteile haben.

Up Haupttext: Der von den Schauspielern als Figuren auf der Bühne gesprochene Text des Dramas.

Up Höhe-/Wendepunkt, Peripetie: Dramatisches Handlungselement, das den Höhepunkt der Spannungskurve markiert. Der dramatische Konflikt wird im Prinzip schon hier entschieden, da die Handlung ihre entscheidende Wendung erfährt.

Up Informationsvergabe: Terminus der Dramenanalyse zur Beschreibung der Möglichkeit, dem Zuschauer über Haupt- und Nebentext Wissen über den Fort- und Ausgang der Handlung zukommen zu lassen.

Up Intrige: Das eine Handlung konstituierende Komplott.

Up Katastrophe: Tragisches Ende des Dramas mit dem Tod mindestens eines Protagonisten.

Up Kausalität: Eine Bühnenhandlung verfügt dann über Kausalität, wenn sich nach rationalen Überlegungen die Konsequenzen logisch aus den Taten ergeben.

Up Lyrische Einlage: In lyrischen Versmaßen gestalteter, meist monologischer Abschnitt im Drama, der als zitierte Kunst eine reflexive Funktion einnimmt.

Up Monolog: Selbstgespräch einer Bühnenfigur, hauptsächlich auf die sprechende Person, ihre Situation und ihren Konflikt abzielend, dabei nicht an andere Bühnenfiguren adressiert.

Up Motivierung: Die sichtbaren und unsichtbaren, psychologischen oder gesellschaftlichen, formalen und strukturalen Gründe für das Handeln einer Figur und die Entwicklung der Dramenhandlung.

Up Nebenfiguren: Den Hauptfiguren zur Seite gestellte Figuren, die oft eher einen dramaturgischen Zweck erfüllen als persönlich plastisch zu werden.

Up Nebentext: Der Textteil des Dramas, der von den Figuren nicht gesprochen wird und der vor allem der Steuerung der Aufführung dient.

Up Offene Form: Gegenmodell zur geschlossenen Form und daher „ex negativo“ bestimmt bzw. in bewusster Differenz zu dieser gestaltet. Die Forderung nach einem voraussetzungslosen Anfang und einem endgültigen Ende wird somit negiert. Das Drama bildet nicht mehr ein geschlossenes, hierarchisch organisiertes Ganzes, sondern stellt ein Ensemble von Einzelsequenzen dar.

Up Parabase: Direkte Wende einer Bühnenfigur an das Publikum.

Up Pathos: In der Tragödientheorie die Abschnitte des Dramas, die durch die Darstellung von Tod und schwerem Leid im Zuschauer die Affekte von Jammer, Schauder, Furcht und Mitleid auslösen.

Up Prolog: Der eigentlichen Dramenhandlung vorgelagerte, deutlich markierte Vorrede, die der Ankündigung, Erläuterung und Ausdeutung dienen kann.

Up Protagonist: Zentrale Figur des Dramas.

Up Retardierendes Moment: Verzögerung der Katastrophe, da kurzzeitig ein untragischer Lösungsansatz aufscheint, der sich jedoch als nur scheinbar entpuppt.

Up Song: besondere Form des Liedes, im dramatischen Kontext von Brecht für das epische Theater funktionalisiert.

Up Ständeklausel: Zuordnung von Figuren bestimmter Stände auf Dramentypen, legitimiert durch die Verknüpfung von dargestellter Thematik und entsprechendem Sprachniveau.

Up Steigerung: Nach der Darlegung der Ausgangssituation wird die dramatische Handlung in Gang gesetzt durch die entscheidenden Handlungen von Protagonist und/oder Antagonist.

Up Stichomythie: Zeilenrede, Dialog, dessen Repliken sich jeweils genau über eine Zeile erstrecken und die inhaltlich dem vorherigen diametral widersprechen.

Up Szene: Den Akt unterteilende Gliederungseinheit des Dramas, die das Geschehen zwischen zwei Schauplatzwechseln bezeichnet.

Up Teichoskopie: Mauerschau. Mündlicher Bericht einer Bühnenfigur von einem räumlich nahen, zeitgleichen, jedoch für Publikum und weiteres Bühnenpersonal nicht offen sichtbaren, handlungstragendem Ereignis.

Up Theater auf dem Theater: In der Dramenhandlung verankertes Schauspiel auf der Bühne, das für diese deutende, kommentierende oder selbstreferentielle Funktion übernehmen kann.

Up Theater auf dem Theater: In die umfassende Bühnenhandlung eingebettete theatrale Einlage, die als Theaterspiel nicht nur dem Publikum, sondern auch einigen Bühnenfiguren präsentiert wird, wobei andere Bühnenfiguren als Schauspieler agieren.

Up V-Effekt: Der Verfremdungs-Effekt ist ein spezifisches Mittel des epischen Theaters, das gezielt gegen eine identifikatorische Rezeption einer in sich geschlossenen Illusion antritt.

Up Vertrautenrede: Gespräch zwischen Protagonist und einer ihm fest zugeordneten, sein volles Vertrauen genießenden Bühnenperson. Sie dient besonders der Informationsvergabe über Gedanken, Gefühle und Absichten des Protagonisten.

 

Up Rhetorik und Stilistik

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Up aptum: Norm der Rhetorik: wirkungsorientierte Abstimmung von Elementen oder Momenten aus unterschiedlichen Bereichen des Textes bzw. der Textproduktion

Up ars - natura: Ein (quasi) natürlicher (Normal-)Zustand steht einer künstlichen, bewusst gemachten und mit Zwecken behafteten Abweichung von der Norm gegenüber

Up delectare: Wirkungsprinzip der persuasio: Beeinflussung durch Erregung von Wohlwollen und Lust/Freude

Up dispositio: zweites Produktionsstadium der Rhetorik: Auswahl, Gewichtung, Anordnung und Gliederung des in der inventio ‚gefundenen’ Stoffes

Up docere: Wirkungsprinzip der persuasio: Beeinflussung durch Information und Argumentation

Up elocutio: drittes Produktionsstadium der Rhetorik: Umsetzung des strukturierten Redestoffes in sprachlichen Ausdruck bzw. Text

Up inventio: erstes Produktionsstadium der Rhetorik: Finden der Gedanken und Möglichkeiten, die sich aus einem Thema bzw. aus einer Fragestellung entwickeln lassen

Up movere: Wirkungsprinzip der persuasio: Beeinflussung durch Erregung von Leidenschaften bzw. durch Affekterregung.

Up persuasio: Die Annahme einer bestimmten Überzeugung (persuasio) durch den Adressaten des Textes ist die Zielvorgabe der (antiken) Rhetorik. Sie kann durch verschiedene Methoden oder Prinzipien erreicht werden: movere, docere oder delectare.

Up res - verba: minimale Semantik der Rhetorik: Verbale (oder anderweitig repräsentierende) Zeichen (verba) repräsentieren Gedanken, Dinge und Sachverhalte (res)

 

Up Edition

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Up Literaturtheorie

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Up Fachgeschichte Germanistik

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