Metrisches Schema Metrischer Typ Rhythmus des konkreten Einzelverses Vortragstyp Einzelvortrag

-> Metrischer Typ: Systematisch beschreibbare Realisierungsform des abstrakten
 Metrisches Schema
 Höchste Stufe der metrischen Abstraktion.
metrischen Schemas.

Mit Hilfe der metrischen Typen werden die verschiedenen unterschiedlichen Ausprägungsformen systematisch erfasst, in denen ein bestimmtes metrisches Schema sprachlich realisiert werden kann. Im Vordergrund stehen dabei zumeist die Erfüllungskriterien, d.h. verschiedene metrische Typen werden danach unterschieden, ob die im Metrum vorgesehenen Anzahl und Position der Verskonstituenten (Silben, Hebungen, Senkungen, Endreime, Pausen) eingehalten wird. Metrische Typen können aber auch danach unterschieden werden, ob über die Vorgaben des abstrakten Schemas hinaus weitere regelmäßige Wiederholungsformen vorliegen (Erweiterungskriterien); und schließlich kann in solchen metrischen Typen auch die Qualität bzw. Intensität der Realisierung (z.B. bei
 Silbenprominenz
 Eine der vier Verskonstituenten . Für Verse bedeutsame Differenzierung der Silben in prominente (schwere) und nicht-prominente (leichte).
Silbenprominenz
oder Reim) erfasst werden.
Metrische Typen stellen eine insbesondere in der russischen Verstheorie in großem Umfang erprobte Kategorie zur statistischen Untersuchung größerer Textcorpora dar. Im Ergebnis können charakteristische rhythmische Profile für Epochen, Gattungen, Autoren oder einzelne Werke erstellt werden. Eine kurze Einführung findet sich in
Levý 1965
Die Theorie des Verses – ihre mathematischen Aspekte, übs. v. M. Beck. In: Mathematik und Dichtung. Versuche zur Frage einer exakten Literaturwissenschaft, hg. v. Helmut Kreuzer i. Zus. m. Rul Gunzenhäuser, München: Nymphenburger, S. 211-231.
Levý 1965
.
Ein häufig verwendetes Kriterium für die Unterscheidung von metrischen Typen ist die Realisierung der Hebungen in fußmetrisch gebundenen Versen. Anhand des Blankverses wird nachfolgend das Prinzip der Unterscheidung möglicher metrischer Typen vorgeführt und ihre Mannigfaltigkeit angedeutet. Zur Veranschaulichung folgt jeweils ein Beispiel aus Lessings Nathan der Weise; d.h., es werden konkrete Einzelverse angeführt, die sich dem entsprechenden metrischen Typ zuordnen lassen.
  • metrisches Schema: v – v – v – v – v – (v)
  • metrischer Typ 1: alle Hebungen realisiert:
    x X x X x X x X x X (x)
    z. B.:
     
    Und Schulden einkassieren ist gewiß
    Auch kein Geschäft, das merklich födert, das […]
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • metrischer Typ 2: erste Hebung nicht realisiert
    x x x X x X x X x X (x)
    z. B.:
     
    Daß ich nur alles schon vernommen habe
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • metrischer Typ 3: zweite Hebung nicht realisiert
    x X x x x X x X x X (x)
    z. B.:
     
    Was Sträfliches vor Gott hierbei geschieht
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • metrischer Typ 4: dritte Hebung nicht realisiert
    x X x X x x x X x X (x)
    z. B.:
     
    Ja den – den weiß ich nun wohl nicht so recht
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • metrischer Typ 5: vierte Hebung nicht realisiert
    x X x X x X x x x X (x)
    z. B.:
     
    Mit zwanzig hochbeladenen Kamelen
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • metrischer Typ 6: letzte Hebung nicht realisiert
    x X x X x X x X x x (x)
    z. B.:
     
    Ob die Gefahr denn gar so schrecklich, um
    Gotthold Ephraim Lessing : Nathan der Weise
  • usw. usf.
Für Lessings Nathan der Weise ergibt sich dann folgende Verwendungshäufigkeit der einzelnen metrischen Typen (
Levý 1965
Die Theorie des Verses – ihre mathematischen Aspekte, übs. v. M. Beck. In: Mathematik und Dichtung. Versuche zur Frage einer exakten Literaturwissenschaft, hg. v. Helmut Kreuzer i. Zus. m. Rul Gunzenhäuser, München: Nymphenburger, S. 211-231.
Levý 1965
, S. 224)
 
Metrischer Typ
 
1. Hebung
 
2. Hebung
 
3. Hebung
 
4. Hebung
 
5. Hebung
 
Anteil der Verse (%)
 
1
 
+
 
+
 
+
 
+
 
+
 
36
 
2
 
-
 
+
 
+
 
+
 
+
 
2
 
3
 
+
 
-
 
+
 
+
 
+
 
10
 
4
 
+
 
+
 
-
 
+
 
+
 
10
 
5
 
+
 
+
 
+
 
-
 
+
 
12
 
6
 
+
 
+
 
+
 
+
 
-
 
16
 
7
 
+
 
-
 
+
 
+
 
-
 
4
 
8
 
+
 
+
 
-
 
+
 
-
 
8
© Sebastian Donat
Letzte Änderung am: 22.10.2007
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