Nullfokalisierung Interne Fokalisierung Externe Fokalisierung

-> Interne Fokalisierung: Die Wahrnehmung ist an eine Figur gebunden. Informationen über das „Innenleben“ der Figur werden gegeben. Der Erzähler weiß also ebenso viel / nimmt ebenso viel wahr wie die Figur.

Das im Text Geschilderte lässt Rückschlüsse zu auf denjenigen, der es wahrnimmt. Insbesondere gilt dies, wenn nicht nur Sachverhalte der äußeren Welt, sondern auch der Innenwelt einer Figur erzählt werden.
Im Fall der der dominant internen Fokalisierung lassen sich noch zwei 1 Formen unterscheiden:
-> Fixierte interne Fokalisierung: Die Wahrnehmung bleibt während des ganzen Textes an eine Figur gebunden.

Diese Form findet sich seit dem 19. Jahrhundert häufig. Ein Beispiel ist Der grüne Heinrich von Gottfried Keller.
-> Variable interne Fokalisierung: Die Fokalisierung wechselt chronologisch fortschreitend zwischen Figuren.

Die variable interne Fokalisierung ist insbesondere vor dem 19. Jahrhundert sehr häufig. Beispiele sind Johann Gottfried Schnabels Die wunderliche Fata einiger Seefahrer, Johann Wolfgang von Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten, aber auch Fontanes Effi Briest.
Einen Sonderfall der variablen internen Fokalisierung stellt die ‚multiple interne Fokalisierung’ dar.
-> Multiple interne Fokalisierung: Fokalisierungsform bei der das gleiche Geschehen wiederholt dargestellt wird und zwar jeweils aus der Perspektive einer anderen Figur.

Beispiele: Christoph Hein: Horns Ende, Jonathan Safran Foer Everything is illuminated (teilweise), Alexa Hennig von Lange: Relax
© Fotis Jannidis, Uwe Spörl, Katrin Fischer
Letzte Änderung am: 06.08.2005

1  Abweichend von Martinez / Scheffel wird hier die multiple interne Fokalisierung nicht als dritte Kategorie neben der fixierten interne Fokalisierung und der variablen interne Fokalisierung behandelt, sondern als Sonderfall der variablen internen Fokalisierung behandelt. Das Differenzkriterium zwischen fixierter interner Fokalisierung und variabler interner Fokalisierung ist die Bindung an eine Figur – unabhängig vom Geschehen. Das Geschehen wird als Differenzkriterium erst im Fall der multiplen internen Fokalisierung herangezogen. Man kann dazu auch einfach eine Gegenprobe machen: Was für eine Kategorie liegt vor, wenn das gleiche Geschehen wiederholt aus der Sicht der gleichen Figur wiedergegeben wird? Folgt man dem Kategoriensystem von Martinez / Scheffel, dann müßte man dafür eine neue Kategorie hinzufügen. Unseres Erachtens handelt es sich jedoch um einen Sonderfall der fixierten internen Fokalisierung Textbeispiel: Agathe Christie: The murder of Roger Ackroyd. Die genaue Analyse der Fokalisierung ist sicherlich oft ein besonderes Problem; häufig zeigen sich dabei auch die Grenzen der hier beschriebenen Kategorien.[zurück]

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