Vladimir Propp

Der russische Folklore-Forscher Vladimir Propp hat 1928 eine „Morphologie des Märchens“ (Propp 1975) geschrieben, in der er die Strukturgesetze russischer Zaubermärchen untersucht. An einem Korpus von einhundert Märchen weist er nach, dass es insgesamt nur sieben Handlungsträger in ihnen gibt:
  • Held
  • Gegenspieler
  • falscher Held
  • Schenker (von Zaubermitteln)
  • Helfer und
  • Sender (Aussender des Helden
  • Zarentochter (und ihr Vater)
Dabei können verschieden Handlungsträger (besonders Helfer und Schenker) in einer Figur zusammenfallen und ebenso kann ein Handlungsträger auch in mehrere Figuren gesplittet sein.
Analog zu den Handlungsträger lässt sich auch die Handlung auf Funktionen reduzieren, für das Zaubermärchen sind das genau 31 und ihre Reihenfolge ist immer gleich, einzelne Funktionen können aber ausfallen oder wiederholt werden.
Beispiel: Der körperliche Kampf des Helden mit dem Drachen oder sein Kartenspiel mit dem Teufel repräsentieren beide die Funktion „Held und Gegenspieler treten in einen direkten Zweikampf“.
Propp hat sein Modell an einem eng begrenzten Korpus entwickelt (genau genommen nur solche Zaubermärchen, in denen eine Stieftochter in den Wald flieht und dort einer Prüfung unterzogen wird), das noch dazu Schemaliteratur ist. Vor allem französische Narratologen haben deshalb seit den sechziger Jahren die Frage gestellt, ob sich diese Erkenntnisse auch auf andere Erzähltexte übertragen lassen.
© Fotis Jannidis, Uwe Spörl, Katrin Fischer
Letzte Änderung am: 22.10.2005
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