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Informationsvergabe Dramatische/tragische Ironie
-> Dramatische/tragische Ironie: Wissensvorsprung des Zuschauers vor der Dramenfigur.

Von C. Thirlwall geprägter Begriff für die Differenz zwischen Figuren- und Zuschauerwissen, die einerseits aus dem Vorwissen des Zuschauers über Stoff und Gattungskonvention, andererseits aus der Perspektivgebundenheit der Figuren resultiert. Denn während der Zuschauer alle Szenen eines Dramas sieht und die
 Dialog
 Wechselrede der Figuren, das Gespräch im Drama.
Dialoge
aller Figuren verfolgt, kennt die Figur jeweils nur das Geschehen, an dem sie selbst teilhat. Der Zuschauer kann so die
 Intrige
 Das eine Handlung konstituierende Komplott.
Intrige
in ihrer Entstehung und Ausführung beobachten, während die Figur den Ereignissen, in die sie verstrickt ist, erst Sinn zuschreiben muss. Deshalb kommt es während des Handlungsverlaufs zu im engeren Sinne ironischen Momenten, z.B. wenn eine für die Figur offene Bemerkung für das Publikum die Funktion einer Vorausdeutung annimmt.
Gerade im analytischen Drama kommt es immer wieder zum Auseinanderklaffen der beiden Sichtweisen, da die Zuschauer den Sachverhalt, den die Figuren im Drama erst noch enthüllen müssen, meist schon kennen. Dies wird umso eklatanter, je bekannter der Stoff des Dramas ist. Bei einem mythischen Stoff wie Sophokles’ König Ödipus weiß der Zuschauer um die Handlung und ihre bedingenden Faktoren und deshalb auch darum, dass sich Ödipus am Anfang selbst verurteilt, wohingegen die Figuren die ursprüngliche Konstellation erst noch aufklären müssen.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 09.09.2007
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