Akt, Szene, Auftritt Offene und geschlossene Form Drei Einheiten Authentizitätspostulat Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, retardierendes Moment, Katastrophe Chor Prolog und Epilog Theater auf dem Theater
-> Akt: Dominierende Gliederungseinheit im Drama, welche räumliche und inhaltliche Strukturierung gewährleistet. Der Akt lässt sich weiter untergliedern in Szenen oder Auftritte.

Der ältere Begriff ‚Aufzug’ entspricht dem heute üblichen ‚Akt’, beinhaltet aber noch die ursprüngliche Konnotation eines Kulissenwechsels mit dem zugehörigen Öffnen und Schließen des Bühnenvorhangs zwischen den Akten. Erst als im späten 18. Jahrhundert Zwischenvorhänge Kulissenwechsel im Akt möglich machen, kristallisiert sich die dramatische und dramaturgische Funktion des Aktes als Stufe im Handlungsablauf heraus. Gekennzeichnet von einer gewissen inhaltlichen Geschlossenheit wird er jedoch weiter in Szenen oder Auftritte unterteilt.
Anschließend an die antiken Forderungen von Horaz und Varro und in der Vermittlung über Italien und Frankreich nach Deutschland gelangt, gilt in der klassischen Erscheinungsform des Dramas die Fünfaktigkeit als Norm. Jedem Akt war innerhalb dieses geschlossenen Ganzen eine bestimmte Funktion zugeteilt. Als mustergültig kann dabei das von Gustav Freytag entwickelte Schema von Exposition – Steigerung – Wendepunkt/Peripetie – retardierendem Moment – Katastrophe/Lösung gelten. (vgl.
 Offene Form
 Gegenmodell zur geschlossenen Form und daher „ex negativo“ bestimmt bzw. in bewusster Differenz zu dieser gestaltet. Die Forderung nach einem voraussetzungslosen Anfang und einem endgültigen Ende wird somit negiert. Das Drama bildet nicht mehr ein geschlossenes, hierarchisch organisiertes Ganzes, sondern stellt ein Ensemble von Einzelsequenzen dar.
geschlossene Form
). Obwohl dieses erst im 19. Jh. entstand, lässt sich gerade zu dieser Zeit die weitgehende Akzeptanz anderer Modelle finden, so setzte sich der Dreiakter vor allem im Boulevardtheater oder in der Oper durch, wohingegen im Theater des Naturalismus häufig Vierakter zu finden sind. Um die Jahrhundertwende entstehen häufig Einakter und im 20. Jahrhundert wird die Akteinteilung oft von Stationen, Episoden oder in loser Folge verbundenen Bildern abgelöst.
-> Szene: Den Akt unterteilende Gliederungseinheit des Dramas, die das Geschehen zwischen zwei Schauplatzwechseln bezeichnet.

Ursprünglich (und häufig noch heute in der Theaterpraxis) bezeichnete ‚die Szene’ das Bühnenbild des Dramas (griech. Scena = Schauplatz), woraus sich dann eben die Bezeichnung für das Geschehen zwischen zwei Kulissen- bzw. Ortswechseln ergibt. Allerdings wird der Begriff oft auch synonym zu ‚Auftritt’ verwendet, obwohl im strengen Sinn eine Szene mehrere Auftritte umfassen kann. Im Zuge der Shakespeare-Rezeption entstanden im 18. Jh. auch in Deutschland Dramen mit zahlreichen Schauplatzwechseln, für die sich die Untergliederung in Szenen viel eher anbot als die in Auftritte. Gerade die Bühnenwerke des Sturm und Drang, die ggf. auch längere zeitliche Intervalle zwischen den einzelnen Szenen vergehen lassen, greifen auf diese Art der Einteilung zurück. Als Beispiel können die Dramen von J.M.R. Lenz gelten, die frühen Dramen Goethes oder Schillers Räuber.
-> Auftritt: Den Akt unterteilende Gliederungseinheit des Dramas, die das Geschehen zwischen zwei Personenwechseln bezeichnet.

Ursprünglich bezeichnet Auftritt die erste Bühnenpräsenz eines Schauspielers, woraus sich dann die Bezeichnung für eine Handlungseinheit mit konstantem Personal ergibt. Gerade Dramen mit wenigen Ortswechseln und solche, die strenge Regeln für die Personenführung einhalten, arbeiten mit der Einteilung des Aktes in Auftritte.
Von Horaz stammt die Regel, dass während eines Auftritts nicht mehr als drei Personen sprechen sollen. Dazu kommt noch die Forderung aus dem französischen Klassizismus, dass die Bühne nie leer sein solle und Abtritt einer Figur nicht gleichzeitig Auftritt einer anderen sein dürfe. Daraus resultiert, dass immer wieder kurze Auftritte eingefügt werden müssen, um vom Gespräch zweier Personen zu demjenigen zweier anderer überzuleiten, selbst wenn sich die Gespräche im gleichen Raum abspielen.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 17.12.2005
Print Mich!