Drama  ->  Textliche Strukturen  -> Botenbericht, Teichoskopie, Vertrautenrede
Haupt- und Nebentext Informationsvergabe Figurenrede, Parabase, Fikitonsbrechung Dialog und Monolog Botenbericht, Teichoskopie, Vertrautenrede Stichomythie
-> Botenbericht: Fiktionsinterne sprachliche Darstellung eines zum Zeitpunkt der Präsentation vergangenen, für die Haupthandlung bedeutenden Ereignisses.

Im Botenbericht wird ein Ereignis, das nicht auf der Bühne ausagiert wurde, dem Personal sprachlich vermittelt. Ein Bote berichtet von abgeschlossenen Geschehnissen, die Konsequenzen auf die Haupthandlung haben. So können z.B. der Ausgang einer Schlacht, der Tod einer entfernten Figur oder Katastrophen wie z.B. ein Schiffsunglück in den Handlungsablauf integriert werden, ohne auf der Bühne ausgehandelt werden zu müssen. Die so vermittelten Ereignisse sind oft nicht auf der Bühne realisierbar (Schlacht, Seesturm) oder nicht ohne Verstoß gegen die Einheit von Ort und Zeit zu zeigen. Entsprechend dient der Botenbericht vor allem dazu, solche Elemente trotzdem mit ihren Konsequenzen auf die Haupthandlung ins Drama einbeziehen zu können. Zentral stehen eben nicht die Ereignisse selbst, sondern ihre Auswirkungen auf die Haupthandlung, die im weiteren Bühnengeschehen wichtig werden.
Der Bote war ursprünglich als Bühnenperson konzipiert, wobei er nur in dieser Funktion auftreten, oder aber eine der anderen dramatis personae diese Funktion übernehmen kann. Ebenso darf er durch ein entsprechendes Kommunikationsmedium ersetzt werden, wobei ein Brief z.B. dann laut gelesen werden muss, um nicht nur einer Bühnenfigur sondern auch dem Publikum die entsprechenden Informationen zukommen zu lassen.
-> Teichoskopie: Mauerschau. Mündlicher Bericht einer Bühnenfigur von einem räumlich nahen, zeitgleichen, jedoch für Publikum und weiteres Bühnenpersonal nicht offen sichtbaren, handlungstragenden Ereignis.

Der Begriff Mauerschau lehnt sich an Homers Ilias an, wo Helena von der trojanischen Stadtmauer aus die griechischen Helden für Priamos beschreibt.
Im Drama handelt es sich dabei um eine reportagehafte Schilderung von simultan stattfindenden Ereignissen. Diese sind – ähnlich wie die dem Botenbericht zu Grunde liegenden – oft nicht oder nur schwer auf der Bühne darzustellen. Entsprechend kann ihre Vermittlung die direkten Konsequenzen in die Handlung integrieren, ohne sie selbst auf die Bühne bringen zu müssen.
Zwar ist der Bericht an die anderen, auf der Bühne anwesenden Figuren gerichtet und kann von diesen mit Fragen oder Anmerkungen unterbrochen werden, jedoch hat er durchaus monologische Qualität, da ein Sprecher über längere Zeit einen Sachverhalt erzählt, der dann zu weiterer Handlung führt.
Teichoskopisch können aber auch mehrere Figuren bzw. der Chor sprechen, gleichermaßen kann so auch eine Figur beschrieben und in die Handlung eingeführt werden.
-> Vertrautenrede: Gespräch zwischen Protagonist und einer ihm fest zugeordneten, sein volles Vertrauen genießenden Bühnenperson. Sie dient besonders der Informationsvergabe über Gedanken, Gefühle und Absichten des Protagonisten.

Bei der Vertrautenrede handelt es sich um einen Dialog des Protagonisten mit einem Vertrauten, der ihm über die Figurenkonstellation fest zugeordnet erscheint und der keine eigenen Interessen durchsetzen möchte, sondern uneigennützig oder exemplarisch auf die ihm präsentierten Verstrickungen und Konflikte reagiert, in die er selbst nicht verstrickt ist. Dem Vertrauten kommt damit eine Funktion zu, die kommentierend, ratend oder reflektierend an die des antiken Chores erinnert, dabei aber dem Protagonisten Raum gibt, sich zu profilieren, wie es auch im Monolog der Fall wäre.
Entsprechend kann der Vertraute auch nur als Stichwortgeber auftreten, oder einen Teil (z.B. das Gewissen) des Protagonisten verkörpern. Als Szene kann die Vertrautenrede dazu dienen, die Vergangenheit des Protagonisten zu erläutern, konflikthafte Konstellationen zu zeigen, Gefühle oder Absichten zu formulieren. Insofern dient sie der Informationsvergabe, da so auch das Publikum dieses Wissen mitgeteilt bekommt.
Während in der Tragödie der Rat des Vertrauten entweder wirkungslos bleiben muss, oder keinen Ausweg aufzuzeigen vermag, können in der Komödie Dienerfiguren durchaus aktiv die Handlung beeinflussen.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 29.10.2005
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