Drama  ->  Personal und Handlung  -> Hamartia, Intrige, Pathos
Figurenkonstellation Haupt- und Nebenfiguren Protagonist und Antagonist Ständeklausel und Fallhöhe Deus ex machina Hamartia, Intrige, Pathos Spiel im Spiel, Illusionsbrechung Motivierung, Kausalität
-> Hamartia: Aristotelischer Begriff, Fehler des Helden, der zur dramatischen Verwicklung führt.

Nach der Poetik des Aristoteles darf in einer Tragödie kein gänzlich unschuldiger Held fallen, weil sonst nicht die volle Wirkung der Katharsis entfaltet werden kann. Entsprechend muss sich im Charakter, Verhalten oder auch in der Vergangenheit des Protagonisten ein Fehler finden, der zu dessen Sturz führt oder beiträgt.
Im Zuge der Dramengeschichte wurde diese Forderung verschieden stark beachtet, so dass es in der Märtyrertragödie den schuldlos für den Glauben sterbenden Helden, eben gerade ohne Fehler, in modernen Dramen nur mittlere Figuren ohne eindeutig positive oder negative Wertung gibt, die einer Verkettung von Umständen oder, wie im Naturalismus, den Determinierungen ihrer Existenz erliegen.
-> Intrige: Das eine Handlung konstituierende Komplott.

Während im Französischen Intrige durchaus einfach die äußere, sichtbare Entwicklung einer Handlung nach kausallogischer Stringenz bezeichnen kann, meint der deutsche dramaturgische Begriff die Verwicklungen und Ränke, die von einer Partei / Figur im Drama inszeniert werden, um der gegengeordneten Partei / Figur zu schaden.
Damit kann die dramatische Intrige sowohl eine konkrete Verschwörung bezeichnen, wie auch das Agieren des Antagonisten, ohne dass dieses versteckt zu sein braucht.
Während eine Intrige in der Tragödie zum Fall des Protagonisten führt, stellt sie in der Komödie mit den entsprechenden Wiederholungs- und Verwechslungseffekten oft ein Fundament dar, auf dem sich Komik entfalten kann.
-> Pathos: In der Tragödientheorie die Abschnitte des Dramas, die durch die Darstellung von Tod und schwerem Leid im Zuschauer die Affekte von Jammer, Schauder, Furcht und Mitleid auslösen.

Der ursprüngliche griechische Ausdruck bezeichnet Leid, Leidenschaft und Ergriffensein.
Entsprechend nennt man den geballten Ausdruck extremer Emotionen in Rede, Ausdruck und Gestik pathetisches Sprechen. In der antiken Tragödie galt diese der Darstellung des Schmerzes des Helden, deren rhetorisches Ziel die entsprechende Wirkung auf das Publikum war. Entsprechend der Katharsis-Lehre hatte diese Wirkung eine zentrale Funktion in der antiken Dramatik, die sich in der Dramentheorie bis ins 20. Jh. erhält.
Pathos auf der Bühne kann handlungsfördernd sein, da der moralische Widerstand gegen das Leiden damit gezeigt wird, andererseits kommt es in der Dramengeschichte zu zunehmender Rationalisierung, Psychologisierung und teilweise auch Moralisierung, die letztendlich auch die Verwendung und Funktion pathetischer Sprechakte verändern.
Während Schiller das Pathetische noch als Kategorie kennt, wird es mit der Lösung von der Ständeklausel und der Privatisierung von Konflikten und Katastrophen letztlich unangemessen.
In den folgenden Beispielen finden Sie drei ‚pathetische’ Szenen aus verschiedenen Zeiten und Dramentypen. Daran können Sie ablesen, wie grundsätzlich sich die Darstellung von Leid und Leidenschaft auf der Bühne verändert hat.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 29.10.2005
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