Drama  ->  Textliche Strukturen  -> Informationsvergabe
Haupt- und Nebentext Informationsvergabe Figurenrede, Parabase, Fikitonsbrechung Dialog und Monolog Botenbericht, Teichoskopie, Vertrautenrede Stichomythie
-> Informationsvergabe: Terminus der Dramenanalyse zur Beschreibung der Möglichkeit, dem Zuschauer über Haupt- und Nebentext Wissen über den Fort- und Ausgang der Handlung zukommen zu lassen.

Informationen können im Drama über Haupt- und Nebentext, direkt oder implizit vermittelt werden. So weiß z.B. der Zuschauer, dass er bei einer Tragödie mit dem Tod des Protagonisten rechnen kann, während die Figur ihren Tod am Anfang der Handlung meist noch nicht ahnt.
Der Zuschauer wird außerdem nicht nur durch Bühnenbild und Kostümierung über Zeit und Ort der Handlung aufgeklärt, er kann solche Informationen implizit aus dem gesprochenen Dialog entnehmen. Die Figuren hingegen verfügen über ein primäres Wissen um ihre Ausgangssituation, das dem Zuschauer erst vermittelt werden muss. Weiterhin kann eine komponierte Verweis- und Symbolstruktur im Haupttext, aber auch in der jeweiligen Inszenierung, Bezüge für den Zuschauer deutlich machen, die vorausdeutende Funktion tragen.
-> Dramatische/tragische Ironie: Wissensvorsprung des Zuschauers vor der Dramenfigur.

Von C. Thirlwall geprägter Begriff für die Differenz zwischen Figuren- und Zuschauerwissen, die einerseits aus dem Vorwissen des Zuschauers über Stoff und Gattungskonvention, andererseits aus der Perspektivgebundenheit der Figuren resultiert. Denn während der Zuschauer alle Szenen eines Dramas sieht und die Dialoge aller Figuren verfolgt, kennt die Figur jeweils nur das Geschehen, an dem sie selbst teilhat. Der Zuschauer kann so die Intrige in ihrer Entstehung und Ausführung beobachten, während die Figur den Ereignissen, in die sie verstrickt ist, erst Sinn zuschreiben muss. Deshalb kommt es während des Handlungsverlaufs zu im engeren Sinne ironischen Momenten, z.B. wenn eine für die Figur semantisch offene Bemerkung für das Publikum die Funktion einer Vorausdeutung annimmt.
Gerade im analytischen Drama kommt es immer wieder zum Auseinanderklaffen der beiden Sichtweisen, da der Zuschauer den Sachverhalt, den die Figuren im Drama erst noch enthüllen müssen, meist schon kennen. Dies wird umso eklatanter, je bekannter der Stoff des Dramas ist. Bei einem mythischen Stoff wie Sophokles’ König Ödipus weiß der Zuschauer um die Handlung und ihre bedingenden Faktoren und deshalb auch darum, dass sich Ödipus am Anfang selbst verurteilt, wohingegen die Figuren die ursprüngliche Konstellation erst noch aufklären müssen.
© Martin Huber, Elisabeth Böhm
Letzte Änderung am: 29.10.2005
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