Drama  ->  Dramenformen und Gliederungseinheiten  -> Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, retardierendes Moment, Katastrophe
Akt, Szene, Auftritt Offene und geschlossene Form Drei Einheiten Authentizitätspostulat Exposition, Steigerung, Höhe-/Wendepunkt, retardierendes Moment, Katastrophe Chor Prolog und Epilog Theater auf dem Theater
Die fünf Abschnitte markieren den funktionalen Aufbau des klassischen Dramas. Sie entsprechen grob dem Aktschema (vgl. Freytag) und stehen prototypisch für die Handlungsstationen eines Dramas der geschlossenen Form. Auf Dramen der offenen Form (z.B. Stationendrama) lassen sich die Begriffe kaum anwenden.
-> Exposition: Die Exposition vermittelt, idealtypisch am Anfang des Dramas, vor dem ersten situationsverändernden Handlungsmoment, das Wissen um die in der Vergangenheit liegenden und die Gegenwart bestimmenden Voraussetzungen und Gegebenheiten, auf denen die folgende konflikthafte Handlung beruht.

Die Exposition dient vor allem dazu, die Zuschauer über die Konstellationen und Grundlagen zu informieren, die in der weiteren Dramenhandlung konflikthaft entwickelt werden. In ihrer primär informativ-referentiellen Funktion bedingt sie die Figuren, Informationen zu geben, über die diese selbstverständlich verfügen, die für die Zuschauer aber zum Verständnis der Handlung wichtig sind. Entsprechend können diese Informationen in der Rede der Figuren enthalten sein (z.B. Anrede als ‚mein Vater’ als Hinweis auf ein Verwandtschaftsverhältnis) oder indirekt gegeben werden (z.B. durch den Symbolwert bestimmter Gesten und Gegenstände, oder durch die Situation selbst).
Ursprünglich kommt der Begriff aus der Rhetorik, wo die Expositio die Darlegung des Sachverhalts vor der Argumentation bezeichnet. In den Kontext des Dramen-Diskurses in Deutschland tritt der Begriff mit dem Briefwechsel von G.E. Lessing, M. Mendelssohn und F. Nicolai, obwohl die Sache schon länger diskutiert wurde.
Aristoteles fordert von der Handlung, dass sie am Anfang beginne, damit kommt der Exposition die Vermittlung der basalen Information über Personal und Konstellationen zu. In der französischen Klassik fordert Corneille, dass nach dem ersten Akt keine weiteren Figuren mehr eingeführt werden sollen, d.h. die Anlage des Konflikts soll im ersten Akt abgeschlossen werden, was diesem exponierenden Charakter verleiht. Andere Positionen stellen den ersten Akt der Exposition des Protagonisten zur Verfügung und präsentieren im zweiten den Antagonisten.
Im späten 19. und 20. Jh. wird der Begriff mehr und mehr umstritten, einerseits, weil es Dramen gibt, die erst im Laufe der Handlung die ursprünglichen Ausgangspositionen erklären (z.B. Shakespeare ‚The Tempest’), andererseits weil die klassische Form des Aufbaus schon größtenteils suspendiert worden ist (z.B. im Einakter oder Stationendrama).
In der Dramenanalyse ist der Begriff heute zudem umstritten, da man, wenn man von der reinen Funktion der Informationsvermittlung ausgeht, immer wieder ‚exponierende’ Stellen im Text finden kann, die nicht notwendigerweise am Beginn des Dramas stehen müssen.
-> Steigerung: Nach der Darlegung der Ausgangssituation wird die dramatische Handlung in Gang gesetzt durch die entscheidenden Handlungen von Protagonist und/oder Antagonist.

In der Steigerung wird das ‚erregende Moment’ in die Dramenhandlung eingebracht, durch Aktionen von Protagonist und Antagonist wird der dramatische Konflikt aufgebaut, bzw. die Intrige gesponnen, die den weiteren Verlauf der Handlung bestimmen wird. Hier tritt also das erste handlungsverändernde Geschehen ein, auf dem alle weitere Entwicklung beruht und das die Spannung der Zuschauer erregen soll.
-> Höhe-/Wendepunkt, Peripetie: Dramatisches Handlungselement, das den Höhepunkt der Spannungskurve markiert. Der dramatische Konflikt wird im Prinzip schon hier entschieden, da die Handlung ihre entscheidende Wendung erfährt.

Aristoteles beschreibt den Höhepunkt der Handlung als ‚Peripetie’ (= Umkehr, Wendung), den Punkt der Handlung, an dem sich ein Umkehr der Handlung ergibt, der auf das Ende hinführen muss. Nach der klassizistischen Forderung vollzieht sich dieser Umschwung am Ende des 3. Aktes.
-> Retardierendes Moment: Verzögerung der Katastrophe, da kurzzeitig ein untragischer Lösungsansatz aufscheint, der sich jedoch als nur scheinbar entpuppt.

Das retardierende Moment markiert eine letzte Chance, dem mit dem Wendepunkt eigentlich schon entschiedenen Ausgang noch zu entkommen. In der Tragödie scheint ein Ausweg aus dem Konflikt auf, der sich letztlich als nicht gangbar erweist, in der Komödie kann hier eine weitere Verwicklung den glücklichen Ausgang verzögern. Das retardierende Moment wirkt dem Spannungsabfall nach dem Höhepunkt entgegen und bereitet gleichzeitig das Ende vor, indem es nochmals andere Lösungen möglich scheinen lässt.
-> Katastrophe: Tragisches Ende des Dramas mit dem Tod mindestens eines Protagonisten.

Der Katastrophe in der Tragödie entspricht die Lösung in der Komödie. Die konflikthafte Handlung ist zu einem eindeutigen und endgültigen Ende gekommen. Für die Tragödie wird traditionell der Tod des Protagonisten gefordert, nachdem er den Konflikt auf andere Weise nicht lösen kann. In der Komödie werden alle Verwicklungen aufgeklärt. Mit dem Ende sind alle Handlungsfäden verknüpft und die Intrige zu ihrem positiven oder negativen Ende gebracht. Daran kann sich im positiven Fall eine weitere Handlung anschließen lassen, die jedoch nicht zwingend aus der letztendlichen Konstellation abzuleiten ist.