Alliteration Anakoluth Anapher Apostrophe Asyndeton Chiasmus Inversion Klimax Parallelismus Pleonasmus praeteritio Vergleich Antithese
griech.: Ab-Wendung
-> Apostrophe: Gedankenfigur: (scheinbare) Abwendung (des Sprechers) vom ursprünglichen Publikum und Hinwendung zu einem (ggf. fiktiven) Zweitpublikum

Die Apostrophe ist eine Form der aversio (Änderung der Perspektive des Redevorgangs hinsichtlich der drei Bestandteile der Redesituation: Redner, Redegegenstand oder Publikum), da hier das Publikum gewechselt wird, also – für eine Weile – der Text auf einen anderen Adressaten bezogen wird. (Die Abweichung vom ursprünglichen Regegegenstand oder Thema heißt in rhetorischer Terminologie digressio, Digression; die Abweichung vom Redner, also der Wechsel der Redner- oder Sprecherrolle heißt sermocinatio.)
Meist als Ausruf oder rhetorische Frage formuliert, ist die Apostrophe in der Regel ein Stilmittel emphatischer oder pathetischer Rede. Die Apostrophe hinterlässt den Eindruck, der Redner sei stark erregt. So kann sie der Beeinflussung des Publikums dienen.
So kann es eine überraschende Hinwendung des Redners bzw. Erzählers zu anderen als den bisher Angeredeten, auch zu abwesenden Personen oder Toten (z. B. in Totenklagen), unbelebten Dingen (z. B. Waffen im Rolandslied) oder Personifikationen (z. B. Frau Minne in mittelalterlicher Dichtung), ferner die Selbstanrede des Sprechers sein.
Die Anrufung von Göttern oder Musen – etwa zu Beginn der homerischen Epen – ist ein antiker Gemeinplatz. Im neuzeitlichen Drama oder Roman dient die Hinwendung zum Publikum oft als desillusionierender Verfremdungseffekt (z.B. im epischen Theater Brechts).
© Uwe Spörl
Letzte Änderung am: 08.04.2007
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