Allegorie Emblem Personifikation Symbol
griech.: das Eingesetzte
-> Emblem: Gattung/Textsorte: aus Überschrift, Bild und Text zusammengesetzter bimedialer Komplex, in dem die einzelnen Bestandteile durch Ähnlichkeits- oder andere Verweisungszusammenhänge miteinander verknüpft sind

Die dreiteilige Gattung Emblem wurde im 16. Jahrhundert (insbes. von Andreas Alciatus und seinem Emblematum liber) entwickelt und vor allem im 16. und 17. Jahrhundert in Europa verwendet – und zwar in Form von Emblemsammlungen, in denen also zahlreiche Embleme zusammengefasst publiziert worden sind. Sie sind selten von Originalität geprägt, sondern vor allem dadurch, dass – auch im Sinne der
 imitatio veterum
 produktionsästhetisches Grundprinzip: Orientierung der Textproduktion an vorbildhaften Mustertexten oder Textmustern (aus der Antike)
imitatio veterum
und der Topik – konventionalisierte Bild- und Ähnlichkeitskomplexe verbreitet und variiert werden.
Das Emblem besteht aus einer Überschrift (lat.: inscriptio), die in der Regel einen Titel, ein klassisches Zitat, eine Lebensregel, ein Motto oder Ähnliches formuliert bzw. übernimmt. Diese Überschrift ergibt – für sich genommen – keinen eindeutig erkennbaren bzw. identifizierbaren Sinn.
Es wird allerdings mit einem Bild (lat.: pictura) kombiniert, und so wird das vom Motto Gemeinte durch dieses illustriert. In den frühneuzeitlichen Emblemen wird das Bild meist als Holzschnitt oder Kupferstich realisiert. Es zeigt mythologische oder historische Sachverhalte, aber auch Gegenstände der Natur oder des täglichen Umgangs.
In einem erläuternden Text am Ende des Emblems (lat.: subscriptio) wird – meist in Gedichtform (etwa als Epigramm) – der Zusammenhang von Überschrift und Bild im Sinne einer
 Allegorie
 Darstellung eines eigentlich gemeinten Komplexes durch uneigentlich Gesagtes, das mit diesem in einer Ähnlichkeits- oder Analogiebeziehung steht
Allegorie
oder auf ähnliche Weise ausgedeutet. Der Inhalt ist in der Regel moralischer, religiöser und/oder politischer Natur und relativ stark bestimmt.
Die drei Bestandteile des Emblems stehen also in einem allegorischen oder allegorie-ähnlichen Verweisungszusammenhang zueinander, der allerdings in aller Regel gedeutet ist. Der Bildanteil des Emblems, der das Titelmotto veranschaulicht, ist insofern als dem
 Symbol
 nicht konventionelles Zeichen – also ein Gegenstand, der auf Grundlage einer nicht konventionellen Bedeutungszuweisung etwas repräsentiert und somit als Zeichen anzusehen ist
Symbol
nahestehend anzusehen. Dies gilt umso mehr, als solche Text-Bild-Komplexe nicht auf die Emblem-Literatur der Frühen Neuzeit beschränkt sind, sondern auch in ganz anderen Zusammenhängen, etwa in zeitgenössischer Werbung, verwendet und – etwa von Semiotikern – analysiert werden können.
© Uwe Spörl
Letzte Änderung am: 08.04.2007
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