Rhetorik / Rhetorische Textanalyse  ->  Rhetorik als Poetik  -> Transformation der genera dicendi
imitatio veterum Transformation der genera dicendi prodesse – delectare ars – ingenium Poetische Gattungen und Formen der Frühen Neuzeit
Im Rahmen der Übernahme von Vorgaben aus der klassischen Rhetorik in den Bereich der Poetik (im Sinne regelgeleiteter Herstellung von Poesie) wird auch die Lehre von den drei
 genera dicendi
 Stilniveau-Typologie der traditionellen Rhetorik
genera dicendi
für die Dichtung bedeutsam, insbesondere dann, wenn sie sich mit der Lehre vom
 aptum
 Norm der Rhetorik: wirkungsorientierte Abstimmung von Elementen oder Momenten aus unterschiedlichen Bereichen des Textes bzw. der Textproduktion
aptum
verbindet.
Die bekannteste Auswirkung dieser Übernahme dürfte wohl die Ständeklausel der frühneuzeitlichen Dramatik sein, die für Tragödien hohes, fürstliches Personal, entsprechend starke Leidenschaften samt einer großen ‚Fallhöhe’ und eine pathetische Sprache fordert. Für die ‚niederen’ dramatischen Gattungen wie das volkstümliche Schauspiel oder den Schwank, für das christliche Legendenspiel usw., aber auch für die Komödie bleiben hingegen die niedrigen Stilniveaus mit dem entsprechenden Personal und seinen Leidenschaften reserviert.
Doch nicht nur die dramatische Literatur wird nach diesem Muster unterteilt, die Tendenz besteht bis weit ins 18. Jahrhundert hinein, Literatur nach der Trias von Stilebene, Personal/Gegenständen und Leidenschaften zu klassifizieren bzw. schon zu produzieren.