Erläuterung Auf einer Metonymie beruht das folgende Epigramm Lessings, denn hier wird das eigentlich gemeinte Loben eines Autors mit dem uneigentlich gemeinten, metonymischen Lesen eines Autors – zugunsten des Letzteren – verglichen:


Erläuterung
 
Die Sinngedichte an den Leser, 1
Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? – Nein.
Wir wollen weniger erhoben,
Und fleißiger gelesen sein.
Gotthold Ephraim Lessing : Sinngedichte



Erläuterung Durch die Formulierung „einen Klopstock“ wird auch klar, dass dieser um 1770 sicherlich anerkannteste deutsche Dichter, hier nicht ausschließlich gemeint ist, sondern mit ihm alle diejenigen Poeten, die zwar gelobt, aber nicht gelesen werden – und zu denen Lessing keinesfalls gehören möchte. Dies entspricht der zweiten Variante der Antonomasie.
Ähnliches ist wohl auch im folgenden Textauszug der Fall, wo ein Freund über den anderen denkt:


Textbeispiel „Sei herrlich, sei göttlich, sei ein Sokrates, bloß um dem Geiste, dessen Abgesandter du bist, Ehre zu machen.“
Jean Paul: Siebenkäs


Erläuterung Viele Beispiele für die erste Variante der Antonomasie liefern nicht nur zeitgenössische Zeitungstexte, sondern auch die homerischen Epen. Diese verwenden gerne so genannte epitheta ornantia, schmückende Beiworte, die die Namen der bezeichneten Figuren ergänzen – und eben auch ersetzen können. Im folgenden Textauszug ist beides der Fall – Zeus wird umschrieben, Hera um ein Epitheton ergänzt:


Erläuterung
 
Auch der olympische Herr der Blitze begab sich zum Lager,
wo er schon immer ruhte, ergriff ihn köstlicher Schlummer.
Auf ihm schlief er, daneben die goldenthronende Hera.
 Homer : Ilias, I