Bei diesem Test sollen insgesamt 29 Multiple Choice-Fragen aus dem Bereich »Prosa«
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Frage 1 von 29
Fragestellung:
Offensichtlich unterhalten sich in dieser kurzen Passage aus den Jahrestagen von Uwe
Johnson Marie und Gesine Cresspahl - eine etwas neunmalkluge Tochter und ihre Mutter
- miteinander. Wie aber wird dieser Figurendialog präsentiert:
Textbeispiel:
- 785 West End Avenue, wo ist das Marie?
- Die letzte Ziffer vergessen, den Rest durch zwei, plus sechzig: es ist um die Ecke,
Mrs., madam, Gesine.
- Wußtest du, daß es an der 99. Straße war? - Mir hat es Esmeralda erzählt, die hat
es von Jason, und Jason hat es gesehen. Dazu brauch ich nicht die New York Times,
anders als eine Dame, die ich kenne, madam, Mrs. Cresspahl.
Uwe Johnson: Jahrestage
Diese Antwort ist falsch. Sicherlich wird der Dialog hier im dramatischen Modus präsentiert,
denn ein Erzähler tritt hier in keiner Weise in Erscheinung. Er ist nicht einmal mehr
durch verba dicendi oder Zitatmarkierungen (etwa Anführungszeichen) präsent, sodass
hier eindeutig autonome direkte Figurenrede vorliegt.Dieser Dialog wird erkennbar im dramatischen Modus präsentiert, denn ein Erzähler
tritt hier in keiner Weise in Erscheinung. Er ist nicht einmal mehr durch verba dicendi
oder Zitatmarkierungen (etwa Anführungszeichen) präsent, sodass hier eindeutig autonome
direkte Figurenrede vorliegt. Dieser Dialog wird eindeutig nicht im narrativen, sondern deutlich erkennbar im dramatischen
Modus präsentiert, denn ein Erzähler tritt hier ja in keiner Weise in Erscheinung.
Er ist nicht einmal mehr durch verba dicendi oder Zitatmarkierungen (etwa Anführungszeichen)
präsent, sodass hier eindeutig autonome direkte Figurenrede vorliegt.Dieser Dialog wird eindeutig nicht im gemischten, sondern deutlich erkennbar im dramatischen
Modus präsentiert, denn ein Erzähler tritt hier ja in keiner Weise in Erscheinung.
Er ist nicht einmal mehr durch verba dicendi oder Zitatmarkierungen (etwa Anführungszeichen)
präsent, sodass hier eindeutig autonome direkte Figurenrede vorliegt.
Frage 2 von 29
Fragestellung:
In welcher der Passagen liegt dehnendes Erzählen vor?
Die Aufregung des werdenden Vaters Stilpe wird hier keineswegs in Form einer Dehnung
erzählt, sondern vielmehr raffend bzw. summarisch.Agathons Weg auf den Berg dauert vermutlich wesentlich länger als die Beschreibung
bzw., deren Lektüre dauert. Es liegt also keine Dehnung, sondern Raffung vor.Durch die genaue Beschreibung der wahrgenommenen Umgebung und deren zusammenfassende
Wiederholung dauert die Wiedergabe wesentlich länger als der Akt des Wahrnehmens.
Hier liegt demnach eine Dehnung des Erzählens gegenüber dem Erzählten vor.
Frage 3 von 29
Fragestellung:
Mit diesen Worten beginnt Thomas Bernhards Roman Alte Meister. Offensichtlich gibt
hier ein Erzähler wieder, was die Figur Atzbacher geschrieben hat. Bleibt die Frage,
ob hier
Textbeispiel:
Erst für halb zwölf mit Reger im Kunsthistorischen Museum verabredet, war ich schon
um halb elf Uhr dort, um ihn, wie ich mir schon längere Zeit vorgenommen hatte, einmal
von einem möglichst idealen Winkel aus ungestört beobachten zu können, schreibt Atzbacher.
Thomas Bernhard: Alte Meister (Beginn)
Die beiden Worte „schreibt Atzbacher“ weisen darauf hin, dass hier Atzbachers Erzählung
zitiert wird. Was und wie Atzbacher erzählt, wird aber in jeder Hinsicht beibehalten.
Hier liegt also minimal markierte direkte Figurenrede vor, somit ein dramatischer
Modus zur Erzählung von Worten. Da im Romantext insgesamt dieser ‚zitierte’ Text Atzbachers
gegenüber den Worten des Erzählers absolut dominiert, erscheint dieser Text aber über
weite Strecken als Ich-Erzählung Atzbachers. Atzbacher selbst erzählt hier natürlich auch von seinen Überlegungen, sein Treffen
mit Reger betreffend, das die Textpassage abschließende „schreibt Atzbacher“ weist
aber deutlich darauf hin, dass hier Atzbachers Erzählung wörtlich zitiert wird. Insofern
liegt hier minimal markierte direkte Figurenrede vor, somit ein dramatischer Modus
zur Erzählung von Worten. Sicherlich ist der Erzähler mit den Worten „schreibt Atzbacher“ noch präsent. Was
Atzbacher hier erzählt, wird aber direkt, ohne Veränderung von Syntax oder Wortlaut
wiedergegeben, sodass man nicht von indirekter Rede sprechen kann. Hier liegt offensichtlich
minimal markierte direkte Figurenrede vor, somit ein dramatischer Modus zur Erzählung
von Worten.
Frage 4 von 29
Fragestellung:
Letzteres wird Jane Turner, die als Gesellschafterin der „Allardyce“ in Walter Satterthwaits
Krimi(-Parodie) Eskapaden in einem vermeintlichen Spukschloss und am tatsächlichen
Schauplatz eines Mordes gelandet ist, tatsächlich passieren - wie sie es ihrer besten
Freundin „Evy“ in ihrem Brief ankündigt. Der Mordfall wird natürlich - nicht zuletzt
dank Janes Mithilfe - am Ende gelöst.Die Frage, ob in dieser Textpassage
Textbeispiel:
Genug. Ich sollte jetzt wirklich versuchen, zu schlafen, Evy. Außerdem gibt es ohnehin
kaum etwas Wichtiges mehr zu berichten.
Darum werde ich jetzt auf Zehenspitzen an der schnarchenden Masse der Allardyce vorbeischleichen
und den Brief im Flur einwerfen und dann auf Zehenspitzen wieder in mein gemütliches
Nest zurückkehren. Und vielleicht werde ich zu nächtlicher Stunde von einem Gespenst
heimgesucht.
Walter Satterthwait: Eskapaden
Natürlich erzählt der zweite Absatz der Textpassage von einem früheren Zeitpunkt aus,
was gleich geschehen wird, dass nämlich der gerade zu Ende zu schreibende Brief aufgegeben
wird. Der letzte Satz des Textes ist allerdings eher ein Scherz und charakterisiert
somit erst einmal die derzeitige Befindlichkeit von Jane, ebenso wie der erste Absatz
ihre augenblickliche Situation beleuchtet und die (vorausgegangene) Erzählung der
bisherigen Ereignisse („kaum ... mehr“) abschließt. Hier vermischen sich also späteres,
früheres und gleichzeitiges Erzählen bei gleichzeitiger Thematisierung des Erzähl-
bzw. Schreibprozesses selbst, es liegt also eingeschobenes Erzählen vor. Der zweite Absatz erzählt zwar von einem früheren Zeitpunkt aus, was gleich geschehen
wird, dass nämlich der gerade zu Ende zu schreibende Brief aufgegeben wird. Der letzte
Satz des Textes ist aber natürlich eher ein Scherz und charakterisiert somit erst
einmal die derzeitige Befindlichkeit von Jane, ebenso wie der erste Absatz ihre augenblickliche
Situation beleuchtet und die (vorausgegangene) Erzählung der bisherigen Ereignisse
(„kaum ... mehr“) abschließt. Hier vermischen sich also späteres, früheres und gleichzeitiges
Erzählen bei gleichzeitiger Thematisierung des Erzähl- bzw. Schreibprozesses selbst,
es liegt also eingeschobenes Erzählen vor.
Frage 5 von 29
Fragestellung:
In dieser Textpassage aus Goethes Wahlverwandtschaften wird der Weg beschrieben, den
Eduard durch seine neu eingerichteten Gartenanlagen geht. Wird das Geschehen hier
eher im narrativen oder eher im dramatischen Modus präsentiert?
Textbeispiel:
Dieser [Eduard] stieg nun die Terrassen hinunter, musterte im Vorbeigehen Gewächshäuser
und Treibebeete, bis er ans Wasser, dann über einen Steg an den Ort kam, wo sich der
Pfad nach den neuen Anlagen in zwei Arme teilte. Den einen, der über den Kirchhof
ziemlich gerade nach der Felswand hinging, ließ er liegen, um den andern einzuschlagen,
der sich links etwas weiter durch anmutiges Gebüsch sachte hinauf wand; da, wo beide
zusammentrafen, setzte er sich für einen Augenblick auf einer wohlangebrachten Bank
nieder, betrat sodann den eigentlichen Stieg und sah sich durch allerlei Treppen und
Absätze auf dem schmalen, bald mehr bald weniger steilen Wege endlich zur Mooshütte
geleitet.
Johann Wolfgang von Goethe: Wahlverwandtschaften (1. Kapitel)
Sicherlich, auch hier ist es eindeutig der Erzähler, der spricht und somit die Ereignisse
verbalisiert. Er tut dies aber so, daß er sich selbst völlig zurücknimmt, sich ganz
auf seine Figur und ihre Wahrnehmungsperspektive einlässt, auf jegliche Kommentierung
verzichtet und zudem die Gartenlandschaft, durch die Eduard geht, in allen (für Eduard)
relevanten Details beschreibt, so daß sich beim Leser ein ‚Realitätseffekt’ einstellt.
Mithin liegt hier wohl eher ein dramatischer Modus der Ereignispräsentation vor.Natürlich ist es auch hier eindeutig der Erzähler, der spricht und somit die Ereignisse
verbalisiert. Er tut dies aber so, daß er sich selbst völlig zurücknimmt, sich ganz
auf seine Figur und ihre Wahrnehmungsperspektive einlässt, auf jegliche Kommentierung
verzichtet und zudem die Gartenlandschaft, durch die Eduard geht, in allen (für Eduard)
relevanten Details beschreibt, so daß sich beim Leser ein ‚Realitätseffekt’ einstellt.
Mithin liegt hier wohl eher ein dramatischer Modus der Ereignispräsentation vor.
Frage 6 von 29
Fragestellung:
In dieser Passage aus Theodor Fontanes Effi Briest berichtet der Erzähler von einem
Gespräch Effis mit ihrer Mutter, das durch die Klänge eines vorbeiziehenden Festumzugs
unterbrochen wird. Zu fragen ist, ob diese Passage
Textbeispiel:
Das war am 2. September, daß sie so [wie vorher präsentiert] sprachen, ein Gespräch,
das sich wohl fortgesetzt hätte, wenn nicht gerade Sedantag gewesen wäre. So aber
wurden sie durch Trommel- und Pfeifenklang unterbrochen, und Effi, die schon vorher
von dem beabsichtigten Aufzuge gehört, aber es wieder vergessen hatte, stürzte mit
einem Male von dem gemeinschaftlichen Arbeitstische fort und an Rondell und Teich
vorüber auf einen kleinen, an die Kirchhofsmauer angebauten Balkon zu, zu dem sechs
Stufen, nicht viel breiter als Leitersprossen, hinaufführten.
Theodor Fontane: Effi Briest (Viertes Kapitel)
Bis zur Unterbrechung durch den Sedanstagumzug ist der Erzähler eindeutig präsent:
Er spekuliert über eine mögliche Fortsetzung des Gesprächs und nennt den Grund für
die Unterbrechung, er präsentiert das Geschehende (bzw. nicht weiter Geschehende)
also narrativ. Dann aber wendet er sich plötzlich Effi zu und beschreibt genau, detailliert
und chronologisch ihr Verhalten und ihren Weg zu einem „Beobachtungsposten“ - und
zwar so, daß er selbst weitgehend zurücktritt, die Handlungen Effis und die damit
verbundene Szenerie aber in den Vordergrund treten: eine wohl dramatisch zu nennende
Präsentation der Ereignisse.Bis zur Unterbrechung durch den Sedanstagumzug ist der Erzähler eindeutig präsent:
Er spekuliert über eine mögliche Fortsetzung des Gesprächs und nennt den Grund für
die Unterbrechung, er präsentiert das Geschehende (bzw. nicht weiter Geschehende)
also narrativ. Dann aber wendet er sich plötzlich Effi zu und beschreibt genau, detailliert
und chronologisch ihr Verhalten und ihren Weg zu einem „Beobachtungsposten“ - und
zwar so, daß er selbst weitgehend zurücktritt, die Handlungen Effis und die damit
verbundene Szenerie aber in den Vordergrund treten: eine wohl dramatisch zu nennende
Präsentation der Ereignisse.Bis zur Unterbrechung durch den Sedanstagumzug ist der Erzähler eindeutig präsent:
Er spekuliert über eine mögliche Fortsetzung des Gesprächs und nennt den Grund für
die Unterbrechung, er präsentiert das Geschehende (bzw. nicht weiter Geschehende)
also narrativ. Dann aber wendet er sich plötzlich Effi zu und beschreibt genau, detailliert
und chronologisch ihr Verhalten und ihren Weg zu einem „Beobachtungsposten“ - und
zwar so, daß er selbst weitgehend zurücktritt, die Handlungen Effis und die damit
verbundene Szenerie aber in den Vordergrund treten: eine wohl dramatisch zu nennende
Präsentation der Ereignisse.
Frage 7 von 29
Fragestellung:
Hier wird der Entschluss präsentiert, der im Apostel aus Gerhart Hauptmanns gleichnamiger
Novelle
herangereift ist.
Textbeispiel:
Und nun, aus der mutigen Aufwallung seines Innern, stieg es auf als
ein fester Entschluß. Die Zeit war gekommen. Etwas mußte geschehen. In ihm
war eine Kraft, die Menschheit aufzurütteln. Jawohl! und sie mochten lachen,
spotten und ihn verhöhnen, er würde sie dennoch erlösen, alle,
alle!
Gerhart Hauptmann: Apostel
Sicherlich, ab „Die Zeit war gekommen“ liegt ziemlich eindeutig
erlebte Gedankenrede vor: Die Sätze sind offensichtlich
einfach und direkt in Gedanken der Figur transformierbar („Etwas mußte
geschehen“), die Syntax ist zwar noch weitgehend erhalten, aber deutlich an die
Erregtheit der Figur angepasst (etwa durch das „Jawohl!“), und das Tempus ist
das des Erzählers. Ob „In ihm war eine Kraft, die Menschheit aufzurütteln“
ebenfalls als erlebte Gedankenrede anzusehen ist, wäre wohl zu diskutieren. Aber
der erste Satz dieses Abschnitts ist es mit Sicherheit nicht: Hier berichtet ein
Erzähler vom Aufkommen und Charakter des Entschlusses in der Art des
Bewusstseinsberichts, also im narrativen Modus.Ab „Die Zeit war gekommen“ liegt ziemlich eindeutig erlebte
Gedankenrede vor: Die Sätze sind offensichtlich einfach und
direkt in Gedanken der Figur transformierbar („Etwas mußte geschehen“), die
Syntax ist zwar noch weitgehend erhalten, aber deutlich an die Erregtheit der
Figur angepasst (etwa durch das „Jawohl!“), und das Tempus ist das des
Erzählers. Ob „In ihm war eine Kraft, die Menschheit aufzurütteln“ ebenfalls als
erlebte Gedankenrede anzusehen ist, wäre wohl zu diskutieren. Aber der erste
Satz dieses Abschnitts ist es mit Sicherheit nicht: Hier berichtet ein Erzähler
vom Aufkommen und Charakter des Entschlusses in der Art des
Bewusstseinsberichts, also im narrativen
Modus.Ab „Die Zeit war gekommen“ liegt ziemlich eindeutig erlebte
Gedankenrede vor: Die Sätze sind offensichtlich einfach und
direkt in Gedanken der Figur transformierbar („Etwas mußte geschehen“), die
Syntax ist zwar noch weitgehend erhalten, aber deutlich an die Erregtheit der
Figur angepasst (etwa durch das „Jawohl!“), und das Tempus ist das des
Erzählers. Ob „In ihm war eine Kraft, die Menschheit aufzurütteln“ ebenfalls als
erlebte Gedankenrede anzusehen ist, wäre wohl zu diskutieren. Aber der erste
Satz dieses Abschnitts ist es mit Sicherheit nicht: Hier berichtet ein Erzähler
vom Aufkommen und Charakter des Entschlusses in der Art des
Bewusstseinsberichts, also im narrativen
Modus. Ab „Die Zeit war gekommen“ liegt ziemlich eindeutig erlebte
Gedankenrede vor: Die Sätze sind offensichtlich einfach und
direkt in Gedanken der Figur transformierbar („Etwas mußte geschehen“), die
Syntax ist zwar noch weitgehend erhalten, aber deutlich an die Erregtheit der
Figur angepasst (etwa durch das „Jawohl!“), und das Tempus ist das des
Erzählers. Ob „In ihm war eine Kraft, die Menschheit aufzurütteln“ ebenfalls als
erlebte Gedankenrede anzusehen ist, wäre wohl zu diskutieren. Aber der erste
Satz dieses Abschnitts ist es mit Sicherheit nicht: Hier berichtet ein Erzähler
vom Aufkommen und Charakter des Entschlusses in der Art des Bewusstseinsberichts,
also im narrativen Modus. Diese
Textpassage verbindet also narrativen und gemischten Modus. An keiner Stelle
liegt dramatischer Modus zur Wiedergabe von Gedanken, also innerer
Monolog vor.
Frage 8 von 29
Fragestellung:
Hat man es in der vorliegenden Passage
Textbeispiel:
Wieder andere übten ihren Witz an allen, die das Unglück hatten am
Ufer vorüberzugehen, und diese aus der Luft gegriffene Unterhaltung endigte
dann gewöhnlich mit lustigen Schimpfreden, welche wechselseitig so lange
fortgesetzt wurden, bis beide Parteien einander längst nicht mehr
verstanden.
Joseph Eichendorff: Ahnung und Gegenwart (1. Kapitel)
Man erfährt, dass es eine „aus der Luft gegriffene“ Unterhaltung gab, die
von „lustigen Schimpfreden“ beendet wurde, die Dialoge fehlen aber. Auch die
Inhalte werden nicht weiter spezifiziert, sodass man es ausschließlich mit der
Erwähnung des sprachlichen
Akts und nicht mir einem Redebericht zu tun
hat.Die Wiedergabe von indirekter Rede lässt
sich an verba dicendi (Verben des Sagens, Meinens, Äußerns, Fragens) erkennen
und gibt gesprochene Passagen wieder. Inhalte werden hier aber nicht
erwähnt. Auch wenn die Unterhaltung als „aus der Luft gegriffen[e]“ und die
Schimpfreden als „lustig“ bezeichnet werden, erfahren wir über den Charakter der
Gespräche hinaus nichts über deren Gegenstände. Die Inhalte werden nicht
berichtet, es wird lediglich konstatiert, dass ein sprachlicher Akt
stattgefunden hat.
Frage 9 von 29
Fragestellung:
Handelt es sich bei dieser Passage um eine externe Fokalisierung? Machen Sie sich
auch klar, auf welche Indizien im Text Sie Ihre Position stützen.
Textbeispiel:
An dem Schnittpunkte von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem
»Zoologischen«, befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts
sich erstreckende Gärtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem Vorgärtchen um
etwa hundert Schritte zurück gelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und Zurückgezogenheit,
von der vorübergehenden Straße her sehr wohl erkannt werden konnte. Was aber sonst
noch zu dem Gesamtgewese der Gärtnerei gehörte, ja die recht eigentliche Hauptsache
derselben ausmachte, war durch eben dies kleine Wohnhaus wie durch eine Kulisse versteckt,
und nur ein rot und grün gestrichenes Holztürmchen mit einem halb weggebrochenen Zifferblatt
unter der Turmspitze (von Uhr selbst keine Rede) ließ vermuten, daß hinter dieser
Kulisse noch etwas anderes verborgen sein müsse, welche Vermutung denn auch in einer
von Zeit zu Zeit aufsteigenden, das Türmchen umschwärmenden Taubenschar und mehr noch
in einem gelegentlichen Hundegeblaff ihre Bestätigung fand. Wo dieser Hund eigentlich
steckte, das entzog sich freilich der Wahrnehmung, trotzdem die hart an der linken
Ecke gelegene, von früh bis spät aufstehende Haustür einen Blick auf ein Stückchen
Hofraum gestattete.
Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen
Geschildert wird nur, was man von der Straße aus sehen kann. An diesem Punkt innerhalb
der erzählten Welt - auf der Straße vor dem Haus - befindet sich aber zu diesem Zeitpunkt
keine Figur. Dies lässt sich daran erkennen, dass der Wahrnehmungsakt einem unpersönlichen
'man' zugeordnet wird.Richtig ist die erste Antwort: Es liegt externe Fokalisierung vor, weil nur das geschildert
wird, was man von der Straße aus sehen kann. An diesem Punkt innerhalb der erzählten
Welt - auf der Straße vor dem Haus - befindet sich aber zu diesem Zeitpunkt keine
Figur.Es gibt kein Indiz dafür, dass die Fokalisierung wechselt.
Frage 10 von 29
Fragestellung:
Dies ist die Eingangspassage aus George Orwells berühmtem Roman Nineteen Eighty-Four
aus dem Jahre 1949, dessen Geschehen dem Titel nach im Jahre 1984 anzusiedeln ist,
also - aus der Sicht des Autors und des ursprünglichen Lesepublikums - in einer fernen
Zukunft.
Was liegt hier vor?
Textbeispiel:
It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen. Winston
Smith, his chin nuzzled into his breast in an effort to escape the vile wind, slipped
quickly through the glass doors of Victory Mansions, though not quickly enough to
prevent a swirl of gritty dust from entering along with him.
George Orwell: Nineteen Eighty-Four
Natürlich ist das erzählte fiktive Geschehen, betrachtet aus dem (realen) Jahr 1949,
in der Zukunft anzusiedeln. Dieses Zeitverhältnis ist hier jedoch ohne Belang. Es
kommt bei der Frage nach dem Erzählzeitpunkt einzig und allein auf das zeitliche Verhältnis
an, das innerhalb der Fiktion das Erzählen und das Erzählte zueinander einnehmen.
Dieses ist hier - markiert durch das Präteritum - eindeutig das des späteren Erzählens,
der (fiktive) Erzähler erzählt also irgendwann nach dem erzählten Geschehen im Jahr
1984. Natürlich ist das erzählte fiktive Geschehen, betrachtet aus dem (realen) Jahr 1949,
in der Zukunft anzusiedeln. Dieses Zeitverhältnis ist hier jedoch ohne Belang. Es
kommt bei der Frage nach dem Erzählzeitpunkt einzig und allein auf das zeitliche Verhältnis
an, das innerhalb der Fiktion das Erzählen und das Erzählte zueinander einnehmen.
Dieses ist hier - markiert durch das Präteritum - eindeutig das des späteren Erzählens,
der (fiktive) Erzähler erzählt also irgendwann nach dem erzählten Geschehen im Jahr
1984.
Frage 11 von 29
Fragestellung:
In welchem der drei Beispiele findet sich ein Gedankenzitat?
Die Textpassage enthält mit „er war nur froh, daß [...]“ einen als Bewusstseinsbericht
anzusehenden Abschnitt, ein Gedankenzitat kommt jedoch nicht vor.Eingeleitet durch „Sie dachte aber“ haben wir es im Folgenden mit einer direkten Wiedergabe
der Gedanken der Königstochter zu tun.Im ersten Satz wird lediglich ein vom Erzähler vermuteter Gedankengang im Modus des
Bewusstseinsberichts wiedergegeben. In den darauffolgenden Sätzen werden keine Gedanken
wiedergegeben, sondern die Rede des Mädchens (als Redebericht und später in indirekter
Rede).
Frage 12 von 29
Fragestellung:
Dies ist die Eingangspassage aus der ‚Skizze’ Sankt Wolfgang von Peter Altenberg.
Liegt hier
Textbeispiel:
Station Zahnradbahn, Schafbergbahn.
Weißer dicker Schotter bis an die Wiesen der Bauernhäuser. Kleine dünne Ahornbäume
sind längs der Strecke hingepflanzt, mit Grasringen, auf welchen rote Mohnblumen wachsen.
Die schiefe Lokomotive ist quasi zusammengeduckt, wie einer, der sich gräßlich anstrengt
- - -.
La femme incomprise mit den rotbraunen Haaren und dem seidenen lila-grün changierenden
Kleide saß da und fuhr den Fichten-Berg hinauf und auf die gelblichen Alm-Wiesen mit
dem Duft nach Ziegen, Kühen und feuchtem Moos, zwischen schwarzgrünen Legföhren hindurch
bis dorthin, wo das braunrote Gerölle anfängt - - -.
Peter Altenberg: Sankt Wolfgang
Die ersten beiden Absätze sind zwar im Präsens gehalten bzw. bleiben, was das Zeitverhältnis
vom Erzählen zum Erzählten betrifft, unbestimmt, der letzte Absatz zeigt aber erkennbar
(durch das Präteritum: „saß“ und „fuhr“) einen späteren Erzählzeitpunkt an. Der Zeitpunkt
des Erzählens wechselt also, auch wenn erkennbar die gesamte Passage (wie die Skizzen
Altenbergs insgesamt) eine fiktive Gegenwärtigkeit im Sinne des epischen Präteritums evoziert. Die ersten beiden Absätze sind zwar im Präsens gehalten bzw. bleiben, was das Zeitverhältnis
vom Erzählen zum Erzählten betrifft, unbestimmt, der letzte Absatz zeigt aber erkennbar
(durch das Präteritum: „saß“ und „fuhr“) einen späteren Erzählzeitpunkt an. Der Zeitpunkt
des Erzählens wechselt also, auch wenn erkennbar die gesamte Passage (wie die Skizzen
Altenbergs insgesamt) eine fiktive Gegenwärtigkeit im Sinne des epischen Präteritums evoziert.Die ersten beiden Absätze sind im Präsens gehalten bzw. bleiben, was das Zeitverhältnis
vom Erzählen zum Erzählten betrifft, unbestimmt, der letzte Absatz zeigt dann erkennbar
(durch das Präteritum: „saß“ und „fuhr“) einen späteren Erzählzeitpunkt an. Der Zeitpunkt
des Erzählens wechselt also, auch wenn erkennbar die gesamte Passage (wie die Skizzen
Altenbergs insgesamt) eine fiktive Gegenwärtigkeit im Sinne des epischen Präteritums evoziert.
Frage 13 von 29
Fragestellung:
Hat man es hier mit indirekter Gedankenrede, mit erlebter Gedankenrede oder einem
Bewusstseinsbericht zu tun?
Textbeispiel:
So groß war seine Leidenschaft, so rein seine Überzeugung, er handle vollkommen recht,
sich dem Drucke seines bisherigen Lebens zu entziehen und einer neuen, edlern Bahn
zu folgen, daß sein Gewissen sich nicht im mindesten regte, keine Sorge in ihm entstand,
ja daß er vielmehr diesen Betrug für heilig hielt. Er war gewiß, daß ihn Eltern und
Verwandte in der Folge für diesen Schritt preisen und segnen sollten, er erkannte
den Wink eines leitenden Schicksals an diesen zusammentreffenden Umständen.
Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre (11. Kapitel)
Die Konjunktion „dass“ folgt hier nicht auf einleitende Verben des Sagens und Meinens
und zieht auch nur in einem Fall den Konjunktiv. Sie indiziert somit keine indirekte
Gedankenrede.Mit der Partizipation an den Bewusstseinsvorgängen von Figuren hat der Begriff erlebte
Gedankenrede nur sehr bedingt etwas zu tun. Wir haben es hier zwar mit einer Gedankenwiedergabe
in der 3. Person Präteritum Indikativ mit Innensicht zu tun, haben aber zusätzlich
Verben des Fühlens („dass sich sein Gewissen regte“, „für heilig hielt“ „Er war gewiß“),
die auf die Vermitteltheit der Gedankenwiedergabe aufmerksam machen.Bestimmte Verben und Formulierungen („dass sich sein Gewissen regte“, „für heilig
hielt“ „Er war gewiß“) weisen den Leser darauf hin, dass wir es hier mit einem Erzähler
zu tun haben, der uns die Gedanken einer Figur berichtet.
Frage 14 von 29
Fragestellung:
Welche Form der Redewiedergabe liegt hier vor?
Textbeispiel:
Als Wilhelm seine Mutter des andern Morgens begrüßte, eröffnete sie
ihm, daß der Vater sehr verdrießlich sei und ihm den täglichen Besuch des
Schauspiels nächstens untersagen werde.
Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre (2. Kapitel)
Es wird hier nicht nur erwähnt, dass der Vater etwas gesagt hat, sondern
auch was er gesagt hat.Wilhelms Vater spricht hier nicht selbst, sondern Wilhelms Mutter gibt
seine Worte in indirekter Rede wieder (dass+Konjunktiv!).Der Inhalt der Rede wird nicht durch einen Erzähler oder eine andere
Person mit dessen oder deren Formulierungen berichtet, sondern in seinem
Originalwortlaut in indirekter Rede präsentiert.
Frage 15 von 29
Fragestellung:
Handelt es sich bei dieser Passage um eine
interne Fokalisierung? Machen Sie sich auch klar, auf welche Indizien im Text
Sie Ihre Position stützen.
Textbeispiel:
Nathanael fand eine Einladungskarte und ging
mit hochklopfendem Herzen zur bestimmten Stunde, als schon die Wagen rollten
und die Lichter in den geschmückten Sälen schimmerten, zum
Professor.
E. T. A. Hoffmann: Der Sandmann
Zwei Indizien
sprechen für eine interne Fokalisierung: a) „mit hochklopfendem Herzen“ ist
eine Innensicht; b) „fand eine Einladungskarte“ beschreibt einen Umstand (dass
eine Einladungskarte für Nathanael in seiner Post liegt) aus der Sichtweise von
Nathanael.Es liegt interne Fokalisierung vor. Zwei Indizien sprechen dafür: a) „mit hochklopfendem
Herzen“ ist eine Innensicht; b) „fand eine Einladungskarte“ beschreibt einen
Umstand (dass eine Einladungskarte für Nathanael in seiner Post liegt) aus der
Sichtweise von Nathanael. Es liegt kein Indiz für einen Wechsel der Fokalisierung
vor.
Frage 16 von 29
Fragestellung:
Hier geht es offensichtlich um Erzählungen, die erzählt werden. Liegt hier also
Textbeispiel:
Don Quijote fragte sie, was sie über Marcela und Grisostomo vernommen hätten. Der
fremde Reisende sagte, sie seien an diesem Morgen auf die Schäfer gestoßen, und weil
sie diese in Trauer gekleidet gesehen, hätten sie nach der Ursache gefragt. Darüber
habe ihnen einer der Schäfer Aufschluß gegeben und ihnen von der sonderbaren Wesensart
und der Schönheit einer Schäferin namens Marcela [...] erzählt.
Miguel Cervantes: Don Quijote
Für metadiegetisches Erzählen kommt hier einzig die Erzählung des Schäfers in Frage,
die dieser den beiden Reisenden erzählt hat, die dies wiederum Don Quijote erzählen.
Die Erzählung des Schäfers selbst wird aber nicht wiedergegeben, sodass hier keinesfalls
metadiegetisches Erzählen, also eine Binnen-Binnenerzählung vorliegt. Der Schäfer
selbst kommt ja gar nicht zu Wort, seine „Stimme" ist nicht zu vernehmen.Für intradiegetisches Erzählen kommt hier entweder die Erzählung des Schäfers in Frage,
die dieser den beiden Reisenden erzählt hat, die dies wiederum Don Quijote erzählen.
Die Erzählung des Schäfers selbst wird aber nicht wiedergegeben, sodass sie keinesfalls
eine Binnenerzählung darstellt. Der Schäfer selbst kommt ja gar nicht zu Wort, seine
„Stimme“ ist nicht zu vernehmen.Oder es kommt dasjenige in Frage, was die beiden Reisenden
von ihrer Begegnung mit den trauernden Schäfern Don Quijote erzählen. Doch auch diese
Erzählung wird nicht so präsentiert, wie sie der eine der beiden Reisenden tatsächlich
(in der erzählten Welt) erzählt, sondern sie bleibt - markiert durch die grammatische
Form der indirekten Rede im Konjunktiv - der „Stimme" des extradiegetischen Erzählers
zugeordnet. Da die Stimme des Reisenden also hier nicht als eigenständiger Erzählstandort
eingeführt wird, liegt kein Ebenenwechsel und somit kein intradiegetisches Erzählen
vor. Anders wäre es, wenn es hieße:Der fremde Reisende sagte: „Wir sind heute morgen
auf eine Gruppe von Schäfern gestoßen. Weil wir sahen, dass sie in Trauer gekleidet
waren ...".
Für intradiegetisches Erzählen kommt hier entweder die Erzählung des Schäfers in Frage,
die dieser den beiden Reisenden erzählt hat, die dies wiederum Don Quijote erzählen.
Die Erzählung des Schäfers selbst wird aber nicht wiedergegeben, sodass sie keinesfalls
eine Binnenerzählung darstellt.Oder es kommt dasjenige in Frage, was die beiden Reisenden
von ihrer Begegnung mit den trauernden Schäfern Don Quijote erzählen. Doch auch diese
Erzählung wird nicht so präsentiert, wie sie der eine der beiden Reisenden tatsächlich
(in der erzählten Welt) erzählt, sondern sie bleibt - markiert durch die grammatische
Form der indirekten Rede im Konjunktiv - der „Stimme" des extradiegetischen Erzählers
zugeordnet. Da die Stimme des Reisenden also hier nicht als eigenständiger Erzählstandort
eingeführt wird, liegt kein Ebenenwechsel und somit kein intradiegetisches Erzählen
vor.
Frage 17 von 29
Fragestellung:
In diesem kurzen Textabschnitt aus Jean Pauls Leben des vergnügten Schulmeisterlein
Maria Wutz im Auenthal
wird über die Kinderspiele der Titelfigur berichtet. Zu fragen wäre allerdings, ob
hier
Textbeispiel:
Schon in der Kindheit war er [Wutz] ein wenig kindisch. Denn es gibt
zweierlei Kinderspiele, kindische und ernsthafte - die ernsthaften sind
Nachahmungen der Erwachsenen, das Kaufmann-, Soldaten-, Handwerker-Spielen -
die kindischen sind Nachäffungen der Tiere. Wutz war beim Spielen nie etwas
anderes als ein Hase, eine Turteltaube oder das Junge derselben, ein Bär,
ein Pferd oder gar der Wagen daran. Glaubt mir! ein Seraph findet auch in
unsern Kollegien und Hörsälen keine Geschäfte, sondern nur Spiele und, wenn
ers hoch treibt, jene zweierlei Spiele.
Jean Paul: Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz im Auenthal (3. Abschnitt)
Hier wird offensichtlich stark iterativ erzählt, da Wutz seine gesamte
Kindheit über spielt - und später auch noch - , aber nur in dieser kurzen
Passage einmalig davon erzählt wird. Von keinem der Kinderspiele Wutzens
erfahren wir Genaueres, eimmalig Geschehens. Im Gegenteil: Der Erzähler selbst
unterscheidet in einer kurzen Reflexion ganz abstrakt zwei Typen von
Kinderspielen und ordnet dann Wutzens Spiele dem einen Typ zu. Dafür gibt er
allerdings einige Beispiele, indem er die Tiere auflistet, in die sich der junge
Wutz in seinen Spielen verwandelt. Es geht nicht um ein bestimmtes Spiel, sondern um zwei abstrakt Typen von
Kinderspielen, denen der Erzähler dann Wutzens Spiele zuordnet. Dafür gibt er
allerdings einige Beispiele, indem er die Tiere auflistet, in die sich der junge
Wutz in seinen Spielen verwandelt. Wie genau diese Spiele - oder eines davon -
aussehen, lässt der Erzähler-Discours aber offen, er stellt keines davon
exemplarisch-konkret dar und gibt nur einen summarischen Überblick.
Frage 18 von 29
Fragestellung:
Offensichtlich ist dies eine Erzählung, die erzählt wird. Liegt hier also
Textbeispiel:
Meister Nicolas bat ihn [den Pfarrer] ebenfalls, sie vorzulesen, und auch Sancho schloß
sich ihm an. Als der Pfarrer dies sah und glaubte, er würde allen damit ein Vergnügen
machen und sich selbst eines verschaffen, sagte er: „Da dem so ist, so hört mir alle
zu. Die Novelle beginnt folgendermaßen“:
33. Kapitel. In dem die „Novelle vom unziemlich Neugierigen“ erzählt wird.
In Florenz, einer reichen und berühmten Stadt Italiens, [usw.]
Miguel Cervantes: Don Quijote
Die Erzählung stammt zwar von einem (auf der Ebene der Rahmenerzählung) unbekannten
Autor, der Erzählakt ist aber eindeutig einer (in diesem Fall sehr konkreten) Stimme
auf der Ebene des intradiegetischen Erzählten zuzuordnen, der des Pfarrers nämlich.
Somit liegt intradiegetisches Erzählen vor, auch wenn diese Binnenerzählung nicht
mehr direkt in Anführungszeichen steht, sondern - durch die Kapitelüberschrift und
die darin enthaltene Titelnennung der „Novelle“ - abgesetzt ist.Die Erzählung stammt zwar von einem (auf der Ebene der Rahmenerzählung) unbekannten
Autor, der Erzählakt ist aber eindeutig einer (in diesem Fall sehr konkreten) Stimme
auf der Ebene des intradiegetischen Erzählten zuzuordnen, der des Pfarrers nämlich.
Somit liegt intradiegetisches Erzählen vor, auch wenn diese Binnenerzählung nicht
mehr direkt in Anführungszeichen steht, sondern - durch die Kapitelüberschrift und
die darin enthaltene Titelnennung der „Novelle“ - abgesetzt ist.
Frage 19 von 29
Fragestellung:
Welchen Status haben die beiden indirekten Charakterisierungen durch die Gemeindemitglieder
und durch die Frauen?
Textbeispiel:
Dennoch war Rabbi Abraham ein sehr reicher Mann; verheuratet mit der einzigen Tochter
seines verstorbenen Vaterbruders, welcher den Juwelenhandel getrieben, erbte er dessen
große Reichtümer. Einige Fuchsbärte in der Gemeinde deuteten darauf hin, als wenn
der Rabbi eben des Geldes wegen seine Frau geheuratet habe. Aber sämtliche Weiber
widersprachen und wußten alte Geschichten zu erzählen: wie der Rabbi schon vor seiner
Reise nach Spanien verliebt gewesen in Sara - man hieß sie eigentlich die schöne Sara
- und wie Sara sieben Jahre warten mußte, bis der Rabbi aus Spanien zurückkehrte,
indem er sie gegen den Willen ihres Vaters und selbst gegen ihre eigne Zustimmung
durch den Trauring geheuratet hatte.
Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach
Kontrafaktisch würde bedeuten, dass keine der beiden Meinungen zutrifft, die Textpassage
- und auch der ganze Text - widerlegen diese Meinung aber nicht explizit.In beiden Fällen werden die Informationen zur Figur des Rabbi von Bacherach von Figuren
gegeben und deutlich als deren Meinungen gekennzeichnet.In beiden Fällen werden die Informationen zur Figur des Rabbi von Bacherach von Figuren
gegeben und deutlich als deren Meinungen gekennzeichnet. Ob sie zutreffen oder nicht,
verrät uns die Textpassage nicht, sodass man nicht von Fakten sprechen kann.
Frage 20 von 29
Fragestellung:
Handelt es sich bei dieser Passage um eine Nullfokalisierung? Machen Sie sich auch
klar, auf welche Indizien im Text Sie Ihre Position stützen.
Textbeispiel:
Hätte Nathanael außer der schönen Olimpia noch etwas anderes zu sehen vermocht, so
wäre allerlei fataler Zank und Streit unvermeidlich gewesen; denn offenbar ging das
halbleise, mühsam unterdrückte Gelächter, was sich in diesem und jenem Winkel unter
den jungen Leuten erhob, auf die schöne Olimpia, die sie mit ganz kuriosen Blicken
verfolgten, man konnte gar nicht wissen, warum.
E. T. A. Hoffmann: Der Sandmann
Hier liegt eine Nullfokalisierung vor. Geschildert wird etwas, das den Wissenshorizont
der Figur Nathanael übersteigt und keiner anderen Figur als Wahrnehmungsinstanz zugeschrieben
wird.Geschildert wird etwas, das den Wissenshorizont der Figur Nathanael übersteigt und
keiner anderen Figur als Wahrnehmungsinstanz zugeschrieben wird.Wahrnehmender ist durchgängig der Erzähler. Im ersten Satz beschreibt er, was Nathanael
sieht, im zweiten Satz beschreibt er aus einer Art Vogelperspektive, wie man in verschiedenen
Ecken zu Lachen beginnt und auf Olimpia schaut.
Frage 21 von 29
Fragestellung:
Hat man es in diesem Bewusstseinsbericht Wilhelms mit einer Anachronie zu tun und
wenn ja mit welcher Form?
Textbeispiel:
So groß war seine Leidenschaft, so rein seine Überzeugung, er handle vollkommen recht,
sich dem Drucke seines bisherigen Lebens zu entziehen und einer neuen, edlern Bahn
zu folgen, daß sein Gewissen sich nicht im mindesten regte, keine Sorge in ihm entstand,
ja daß er vielmehr diesen Betrug für heilig hielt. Er war gewiß, daß ihn Eltern und
Verwandte in der Folge für diesen Schritt preisen und segnen sollten, er erkannte
den Wink eines leitenden Schicksals an diesen zusammentreffenden Umständen.
Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre (1, 11)
Eine Analepse liegt nur dann vor, wenn zum Zeitpunkt der Erzählgegenwart bereits Vergangenes
berichtet wird.Hier wird lediglich berichtet, was Wilhelm sich für die Zukunft ausmalt. An der konjunktivischen
Verbform „sollten“ kann man erkennen, dass es sich um Wunschvorstellungen handelt.Hier werden keine bereits vergangenen oder zum Zeitpunkt der Erzählgegenwart noch
zukünftigen Ereignisse erzählt, sondern nur die Reflexionen aus der Perspektive einer
Figur wieder gegeben. Daran dass hier nicht „werden“ steht kann man erkennen, dass
es sich nicht um eine Prolepse handelt, auch wenn man die weitere Handlung nicht kennt.
Frage 22 von 29
Fragestellung:
Wie ist das Erzähltempo in der folgenden Passage?
Textbeispiel:
Meine Sanftmut und mein gutes Betragen hatten den Kaiser und seinen Hof sowie auch
Heer und Volk im allgemeinen so sehr gewonnen, daß ich anfing, die Hoffnung zu hegen,
ich würde in kurzem meine Freiheit erhalten: Ich gab mir alle mögliche Mühe, diese
günstige Stimmung zu erhalten. Die Eingebornen fürchteten allmählich weniger Gefahr;
bisweilen legte ich mich nieder und ließ fünf oder sechs auf meinen Kopf; Knaben und
Mädchen wagten zuletzt, Verstecken in meinem Haare zu spielen. Auch hatte ich schon
ziemliche Fortschritte im Verständnis der Landessprache gemacht.
Jonathan Swift: Gullivers Travel (Beginn des 3. Kapitels)
Es gibt kein Anzeichen dafür, dass Handlung übersprungen wird.Da viele Ereignisse nur zusammenfassend berichtet werden, hat man es nicht mit zeitdeckendem,
szenischen Erzählen zu tun.Die Ereignisse werden in wesentlich kürzerer Zeit erzählt als sie brauchen, um sich
zu ereignen. Sie werden stark zusammenfassend erzählt - es liegt also raffendes Erzählen
vor. Unterstützt wird der Raffungs-Effekt im Übrigen durch das iterative Erzählen.
Frage 23 von 29
Fragestellung:
So beginnt Uwe Johnsons erster veröffentlichter Roman Mutmassungen über Jakob. Ganz
offensichtlich
beschäftigen sich hier gleich mehrere ‚Stimmen’ mit ein und demselben
Ereignis.
Textbeispiel:
Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen.
- Aber er ist doch immer quer über die Rangiergleise und die Ausfahrt
gegangen, warum, aussen auf der anderen Seite um den Bahnhof bis zum
Strassenübergang hätt er eine halbe Stunde länger gebraucht bis zur
Strassenbahn. Und er war sieben Jahre bei der Eisenbahn.
- Nun sieh dir mal das Wetter an, so ein November, kannst keine zehn
Schritt weit sehen vor Nebel, besonders am Morgen, und alles so glatt. Da
kann einer leicht ausrutschen. So ein Krümel Rangierlok ist dann beinah gar
nicht zu hören, sehen kannst sie noch weniger.
- Jakob war sieben Jahre bei der Eisenbahn will ich dir sagen, und
wenn irgend wo sich was gerührt hat was auf Schienen fahren konnte, dann hat
er das wohl genau gehört.
Uwe Johnson: Mutmassungen über Jakob (Beginn)
Obgleich es in einem bestimmten Sinne auch zutreffend ist. Das Ereignis,
um das es dem Erzähler (in der ersten Textzeile) und den drei ‚Zeugen-Stimmen’ -
und dem Roman insgesamt - offensichtlich geht, ist, so können wir schließen, der
schwer begreifliche Tod des Bahnarbeiters Jakob, der nachts im Nebel von einer
Rangierlok überfahren worden ist. Erzählt wird dieses zentrale Ereignis aber gerade nicht. -
Zurecht kann man aber behaupten, dass repetitiv von Jakobs Gewohnheiten erzählt
wird, insbesondere der, zur Abkürzung quer über die Gleise zu gehen.Zumindest gibt es gute Gründe, das anzunehmen. Denn das Ereignis, um das
es dem Erzähler (in der ersten Textzeile) und den drei ‚Zeugen-Stimmen’ - und
dem Roman insgesamt - offensichtlich geht, ist, so können wir schließen, der
schwer begreifliche Tod des Bahnarbeiters Jakob, der nachts im Nebel von einer
Rangierlok überfahren worden ist. Erzählt wird dieses zentrale Ereignis aber
gerade nicht. - Zurecht kann man aber behaupten, dass repetitiv von Jakobs
Gewohnheiten erzählt wird, insbesondere der, zur Abkürzung quer über die Gleise
zu gehen.
Frage 24 von 29
Fragestellung:
Haben wir es hier mit
Textbeispiel:
Don Quijote fragte sie, was sie über Marcela und Grisostomo vernommen hätten. Der
fremde Reisende sagte, sie seien an diesem Morgen auf die Schäfer gestoßen, und weil
sie diese in Trauer gekleidet gesehen, hätten sie nach der Ursache gefragt. Darüber
habe ihnen einer der Schäfer Aufschluß gegeben und ihnen von der sonderbaren Wesensart
und der Schönheit einer Schäferin namens Marcela [...] erzählt.
Miguel Cervantes: Don Quijote
Für einen Erzähler auf der dritten Ebene kommt hier einzig die Erzählung des Schäfers
in Frage, die dieser den beiden Reisenden erzählt hat, die dies wiederum Don Quijote
erzählen. Die Erzählung des Schäfers selbst wird aber nicht wiedergegeben, sodass
hier kein tertiäres Erzählen, keine Binnen-Binnenerzählung vorliegt. Der Schäfer selbst
kommt ja gar nicht zu Wort, seine „Stimme" ist nicht zu vernehmen.Für sekundäres Erzählen kommt hier dasjenige in Frage, was die beiden Reisenden von
ihrer Begegnung mit den trauernden Schäfern Don Quijote erzählen. Doch auch diese
Erzählung wird nicht so präsentiert, wie sie der eine der beiden Reisenden tatsächlich
(in der erzählten Welt) erzählt, sondern sie bleibt - markiert durch die grammatische
Form der indirekten Rede im Konjunktiv - der „Stimme" des primären Erzählers zugeordnet.
Da die Stimme des Reisenden also hier nicht als eigenständiger Erzählstandort eingeführt
wird, liegt kein Ebenenwechsel und somit kein sekundäres Erzählen vor. Anders wäre
es, wenn es hieße:Der fremde Reisende sagte: „Wir sind heute morgen auf eine Gruppe
von Schäfern gestoßen. Weil wir sahen, dass sie in Trauer gekleidet waren ...".
Alles was erzählt wird, inklusive dessen, was der Schäfer den Reisenden erzählt und
was die beiden Reisenden davon wiederum Don Quijote erzählen, bleibt markiert durch
die grammatische Form der indirekten Rede im Konjunktiv - der "Stimme" des primären
Erzählers zugeordnet. Da die Stimme des Reisenden oder des Schäfers nicht als eigenständiger
Erzählstandort eingeführt wird, liegt kein Ebenenwechsel und somit kein sekundäres
Erzählen vor.
Frage 25 von 29
Fragestellung:
In dieser Eingangspassage aus Jean Pauls Selberlebensbeschreibung (=Autobiographie)
erzählt der „Professor der Geschichte von sich“ vom Tag seiner Geburt.
Textbeispiel:
Es war im Jahr 1763, wo der Hubertsburger Friede zur Welt kam und gegenwärtiger Professor
der Geschichte von sich; - und zwar in dem Monate, wo ihm noch die gelbe und graue
Bachstelze, das Rotkehlchen, der Kranich, der Rohrammer und mehrere Schnepfen und
Sumpfvögel anlangten, nämlich im März; - und zwar an dem Monattage, wo, falls Blüten
auf seine Wiege zu streuen waren, gerade dazu das Scharbock- oder Löffelkraut und
die Zitterpappel in Blüte traten, desgleichen der Ackerehrenpreis oder Hühnerbißdarm,
nämlich am 21ten März; - und zwar in der frühesten frischesten Tageszeit, nämlich
am Morgen um 1 1/2 Uhr; was aber alles krönt, war, daß der Anfang seines Lebens zugleich
der des damaligen Lenzes war.
Jean Paul: Selberlebensbeschreibung (Beginn)
Sicher, das eigentliche Ereignis dieser Erzählpassage, die Geburt des Erzählers und
Autobiographen Jean Paul am 21. März 1763, fand natürlich nur einmal statt - und wird
hier auch nur einmal erzählt. Ein Witz dieser Passage liegt aber wohl darin, dass der Erzähler seine Geburt mit dem beginnendem
Frühling korreliert, sodass die verschiedenen Naturereignisse, die in den März bzw.
genauer: die auf den 21. März fallen, ebenfalls genau einmal erzählt werden, aber
- wie jeder Leser weiß - jedes Jahr von Neuem stattfinden, also iterativ erzählt werden.Sicher, das eigentliche Ereignis dieser Erzählpassage, die Geburt des Erzählers und
Autobiographen Jean Paul am 21. März 1763, fand natürlich nur einmal statt - und wird
hier auch nur einmal erzählt. Ein Witz dieser Passage liegt aber wohl darin, dass der Erzähler seine Geburt mit dem beginnendem
Frühling korreliert, so dass die verschiedenen Naturereignisse, die in den März bzw.
genauer: die auf den 21. März fallen, ebenfalls genau einmal erzählt werden, aber
- wie jeder Leser weiß - jedes Jahr von Neuem stattfinden, also iterativ erzählt werden.
Frage 26 von 29
Fragestellung:
Diese kurze Textpassage stammt aus Raymond Chandlers Kriminalerzählung The Big Sleep.
Der ich-erzählende ‚Schnüffler’ ist im Laufe seiner Ermittlungen in eine fremde Wohnung
eingedrungen, in der ‚etwas nicht stimmt’. Er weiß nur noch nicht, was.Liegt hier
also
Textbeispiel:
Something was wrong. Something on the air, a scent. The shades were down at the windows
and the street light leaking in at the sides made a dim light in the room. I stood
still and listened. The scent on the air was a perfume, a heavy cloying perfume.
Raymond Chandler: The Big Sleep
Das erlebende, erzählte Ich weiß nicht, was ihn in dieser Wohnung erwartet. Und das
erzählende Ich gibt dies auch nicht preis, um die krimitypische Spannung zu erhalten,
darf er das auch gar nicht. Beide Aspekte dieses ‚Ich’ sind somit eng miteinander
verknüpft, auch zeitlich. Dennoch gibt das erzählende Ich das Geschehen als vergangenes,
wenngleich ergebnisoffenes Geschehen wieder, es erzählt also von einem (etwas) späteren
Zeitpunkt aus - freilich ganz anders als der (pseudo-)autobiographische Ich-Erzähler,
der weiß und dies auch zeigt, was als Nächstes passieren wird.Das erlebende, erzählte Ich weiß nicht, was ihn in dieser Wohnung erwartet. Und das
erzählende Ich gibt dies auch nicht preis, um die krimitypische Spannung zu erhalten,
darf er das auch gar nicht. Beide Aspekte dieses ‚Ich’ sind somit eng miteinander
verknüpft, auch zeitlich. Dennoch gibt das erzählende Ich das Geschehen als vergangenes,
wenngleich ergebnisoffenes Geschehen wieder, es erzählt also von einem (etwas) späteren
Zeitpunkt aus - freilich ganz anders als der (pseudo-)autobiographische Ich-Erzähler,
der weiß und dies auch zeigt, was als Nächstes passieren wird.
Frage 27 von 29
Fragestellung:
Hat man es in der folgenden Textpassage mit szenischem Erzählen zu tun?
Textbeispiel:
„Gruber“, sagt Jerome und neigt sich zu dem Kameraden, der sich immer tiefer in die
Nische zurücklehnt, „es war schon wieder an dir, zu klettern, auf dem Strick, geh
mal, versuchs, sonst macht dir der Jastersky irgend eine Geschichte, weißt du…“ Gruber
nickt. Aber statt aufzustehen, schließt er plötzlich die Augen und gleitet unter
den Worten Jeromes durch, als ob eine Welle ihn trüge, fort, gleitet langsam und lautlos
tiefer, tiefer, gleitet vom Sitz, und Jerome weiß erst, was geschieht, als er hört,
wie der Kopf Grubers hart an das Holz des Sitzes prallt und dann vornüber fällt.
Rainer Maria Rilke: Die Turnstunde
Auch im beschreibenden Abschnitt nimmt der Discours nicht mehr Zeit ein, als Gruber
braucht, um von der Bank zu gleiten. Die Ereignisse werden hier nicht zusammenfassend berichtet, es gibt keinen Hinweis
darauf, dass Teile ausgelassen wurden. Das Gespräch und der sich anschließende Vorgang
werden im Detail wiedergegeben.In der Erzählung werden die Worte Jeromes und die Ohnmacht Grubers 1:1 wiedergegeben.
Frage 28 von 29
Fragestellung:
Offensichtlich ist dies eine Erzählung, die erzählt wird. Liegt hier also
Textbeispiel:
Meister Nicolas bat ihn [den Pfarrer] ebenfalls, sie vorzulesen, und auch Sancho schloß
sich ihm an. Als der Pfarrer dies sah und glaubte, er würde allen damit ein Vergnügen
machen und sich selbst eines verschaffen, sagte er: „Da dem so ist, so hört mir alle
zu. Die Novelle beginnt folgendermaßen“:
33. Kapitel. In dem die „Novelle vom unziemlich Neugierigen“ erzählt wird.
In Florenz, einer reichen und berühmten Stadt Italiens, [usw.]
Miguel Cervantes: Don Quijote
Die Erzählung stammt zwar von einem (auf der Ebene der Rahmenerzählung) unbekannten
Autor, der Erzählakt ist aber eindeutig einer (in diesem Fall sehr konkreten) Stimme
innerhalb der erzählten Welt zuzuordnen, der des Pfarrers nämlich. Somit liegt sekundäres
Erzählen vor, auch wenn diese Binnenerzählung nicht mehr direkt in Anführungszeichen
steht, sondern - durch die Kapitelüberschrift und die darin enthaltene Titelnennung
der „Novelle“ - abgesetzt ist.Die Erzählung stammt zwar von einem (auf der Ebene der Rahmenerzählung) unbekannten
Autor, der Erzählakt ist aber eindeutig einer (in diesem Fall sehr konkreten) Stimme
innerhalb der erzählten Welt zuzuordnen, der des Pfarrers nämlich.
Frage 29 von 29
Fragestellung:
Das erste Kapitel von Edlef Köppens Roman Heeresbericht über den ersten Weltkrieg,
in dem die Kriegserlebnisse des (fiktiven) Soldaten Adolf Reisiger geschxildert werden,
beginnt - vor Einsetzen der eigentlichen Erzählung - mit einer Reihe von (kursiv gedruckten)
authentischen Dokumenten, darunter dem kaiserlichen Mobilmachungsbefehl für die Armee
des Deutschen Reiches: Liegt in einem solchen Fall
Textbeispiel:
Ich bestimme hiermit:
Das Deutsche Heer und die Kaiserliche Marine sind nach Maßgabe des Mobilmachungsplans
für das deutsche Heer und die kaiserliche Marine kriegsbereit aufzustellen.
Der 2. August 1914 wird als erster Mobilmachungstag festgesetzt.
Berlin, den 1. August 1914
Wilhelm I.R.
von Bethmann Hollweg
Edlef Köppen: Heeresbericht
Der Mobilmachungsbefehl stammt zwar vom Kaiser. Er wird aber - auch durch die Einordnung
in eine ganze Reihe von Dokumenten - als authentisches Dokument präsentiert. Die Präsentation
dieses Dokuments kann wiederum weder dem Erzähler des eigentlichen Romangeschehens
zugeordnet werden, noch wird sie einer der erzählten Figuren zugewiesen. Es liegt
also ein Fall von Textmontage vor.Der Mobilmachungsbefehl stammt zwar vom Kaiser. Er wird aber - auch durch die Einordnung
in eine ganze Reihe von Dokumenten - als authentisches Dokument präsentiert. Die Präsentation
dieses Dokuments kann wiederum weder dem Erzähler des eigentlichen Romangeschehens
zugeordnet werden, noch wird sie einer der erzählten Figuren zugewiesen. Es liegt
also ein Fall von Textmontage vor.